Solaranlage
Bifaziale Solarmodule: Mehrertrag, Albedo und wann es sich lohnt
Bifaziale Solarmodule nutzen auch Licht von hinten: auf dem Schrägdach 1 bis 2 Prozent mehr, aufgeständert über hellem Grund 5 bis 15 Prozent. Werte, Rechnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktuelle TOPCon-Glas-Glas-Module haben laut Datenblatt einen Bifazialitätsfaktor von 80 Prozent; die Rückseite liefert also vier Fünftel der Leistung der Vorderseite bei gleicher Einstrahlung.
- Laut IEA PVPS liegt der Mehrertrag bifazialer Module auf Nachführsystemen über natürlichem Boden mit einer Albedo von 0,2 bis 0,3 meist unter 10 Prozent.
- Eine weiße Geomembran reflektierte in Messungen der Universidade Federal de Santa Catarina 74 bis 79 Prozent des Lichts, grauer Kies 24 bis 25 Prozent.
- Die ZHAW maß auf einem Flachdach mit höher montierten bifazialen Modulen und reflektierender Folie 15 Prozent Mehrertrag pro Jahr, in einer kleinen Testanlage mit großem Randanteil.
- Liegt frischer Schnee statt Beton oder Asphalt vor der Anlage, kann der Ertrag laut Sandia National Laboratories um 5 bis 10 Prozent steigen, solange die Module selbst schneefrei bleiben.
- Für die 2.000 Watt Peak eines Balkonkraftwerks und den Eintrag im Marktstammdatenregister zählt die Nennleistung der Vorderseite.
Bifaziale Solarmodule erzeugen Strom auf Vorder- und Rückseite. Die Rückseite liefert bei aktuellen TOPCon-Modulen laut Datenblatt rund 80 Prozent der Vorderseitenleistung, bekommt aber nur das Licht, das vom Untergrund zurückgeworfen wird. Auf dem Schrägdach bringt das 1 bis 2 Prozent Mehrertrag, aufgeständert über hellem Flachdach, Kies oder Schnee typisch 5 bis 15 Prozent.
So funktioniert ein bifaziales Solarmodul
Ein herkömmliches Modul hat hinter den Zellen eine undurchsichtige, meist weiße Rückseitenfolie, und die Zellen tragen auf ihrer Rückseite eine geschlossene Metallschicht als Kontakt. Licht, das von hinten kommt, geht verloren. Bei bifazialen Zellen ist dieser Rückkontakt durch ein feines Gitter ersetzt, ähnlich wie auf der Vorderseite. Licht kann die Zelle dann von beiden Seiten erreichen.
Damit das Licht auch durch das Modul hindurchkommt, braucht die Rückseite ein durchsichtiges Material. Laut dem Bericht der IEA PVPS Task 13 landen die meisten bifazialen Zellen in Doppelglasmodulen, ein Teil in Modulen mit transparenter Kunststoffrückseite. Der Bericht hält auch fest, dass bifaziale Zellen dabei sind, den Marktanteil monofazialer Technik zu überholen. Viele Module, die als “Glas-Glas” verkauft werden, sind deshalb automatisch bifazial, auch wenn der Käufer die Rückseite nie nutzt.
Bifaziale Zellen gibt es in mehreren Bauarten. Die IEA nennt PERC+, n-PERT und Heterojunction; heute dominieren im Wohnbereich n-Typ-Zellen in TOPCon-Technik. Die Rückseiten erreichen laut IEA mehr als 60 bis über 90 Prozent des Wirkungsgrads der Vorderseite, n-PERT-Zellen bis 95 Prozent. Rückkontaktzellen, bei denen alle Kontakte hinten liegen, schneiden hier schlechter ab, weil die Kontakte einen Teil der Rückseite belegen; der Guide zu AIKO-Modulen nennt für ein solches Modul 70 Prozent.
Die Vorderseite arbeitet genau wie bei einem normalen Modul, ihre Nennleistung wird unter Standardtestbedingungen gemessen. Die Rückseite ist ein Zusatz, der nur so viel bringt, wie Licht auf sie fällt. Das ist der Kern aller Fragen rund um bifaziale Module: Nicht das Modul entscheidet über den Mehrertrag, sondern der Ort, an dem es hängt.
Bifazialitätsfaktor: was im Datenblatt steht
Der Bifazialitätsfaktor gibt an, welche Leistung die Rückseite im Verhältnis zur Vorderseite bringt, wenn beide gleich stark beleuchtet werden. Gemessen wird nach der technischen Spezifikation IEC TS 60904-1-2, die laut IEA seit 2019 die Messung bifazialer Module regelt. Ein Faktor von 80 Prozent heißt: Unter 1.000 Watt pro Quadratmeter auf der Rückseite liefert sie 80 Prozent dessen, was die Vorderseite unter denselben Bedingungen liefert.
Weil die Rückseite in der Praxis nie so viel Licht bekommt wie die Vorderseite, rechnen die Hersteller zusätzlich Szenarien vor. Sie geben an, welche Gesamtleistung das Modul erreicht, wenn die Rückseite 5, 10 oder mehr Prozent zusätzlich beiträgt. Trina nennt außerdem einen Wert nach BNPI, der Bifacial Nameplate Irradiance mit 1.000 Watt pro Quadratmeter vorne und 135 Watt hinten.
| Wert laut Datenblatt | Trina Vertex S+ TSM-450NEG9RC.27 | JA Solar JAM54D41-450/LB |
|---|---|---|
| Nennleistung Vorderseite (STC) | 450 W | 450 W |
| Bifazialitätsfaktor | 80 ± 5 % | 80 ± 10 % |
| Gesamtleistung bei 5 % Rückseitengewinn | 473 W | nicht angegeben |
| Gesamtleistung bei 10 % Rückseitengewinn bzw. 10 % Einstrahlungsverhältnis | 495 W | 486 W |
| Leistung nach BNPI (135 W/m² hinten) | 499 W | nicht angegeben |
| Kurzschlussstrom STC | 10,74 A | 14,41 A |
| Kurzschlussstrom mit 10 % Rückseite | 11,81 A | 15,56 A |
| Glas vorne und hinten | 1,6 + 1,6 mm | 1,6 + 1,6 mm |
| Gewicht, Maße | 21,0 kg, 1.762 × 1.134 × 30 mm | 22 kg, 1.762 × 1.134 × 30 mm |
| Garantie Produkt / Leistung | 25 / 30 Jahre | 25 / 30 Jahre |
Zwei Details in der Tabelle sind wichtig. Erstens ist die Toleranz des Bifazialitätsfaktors groß: Bei JA Solar kann das einzelne Modul zwischen 70 und 90 Prozent liegen. Zweitens beschreiben die beiden Hersteller ihr 10-Prozent-Szenario unterschiedlich. Trina meint 10 Prozent zusätzliche Leistung, JA Solar ein Verhältnis von 10 Prozent zwischen Rück- und Vorderseiteneinstrahlung, das bei 80 Prozent Bifazialität rund 8 Prozent Mehrleistung ergibt. Wer zwei Module vergleicht, muss deshalb auf die Definition achten.
Keiner dieser Werte ist eine Ertragsprognose. Ob deine Rückseite im Jahresmittel 2, 5 oder 10 Prozent Einstrahlung im Verhältnis zur Vorderseite bekommt, hängt vom Untergrund, von der Höhe und vom Abstand der Reihen ab. Wie Trina und JA Solar ihre Modulreihen sonst aufstellen, erklären die Guides zu Trina-Solarmodulen und zu JA-Solar-Modulen.
Albedo: wie viel Licht der Untergrund zurückwirft
Die Albedo ist der Anteil des einfallenden Lichts, den eine Fläche zurückwirft, als Zahl zwischen 0 und 1. Sie ist laut IEA eine der wichtigsten Eigenschaften eines Standorts für bifaziale Anlagen. Ein dunkler Asphalt wirft weniger als ein Sechstel des Lichts zurück, frischer Schnee mehr als vier Fünftel. Die folgende Tabelle fasst Werte aus zwei Quellen zusammen: einer Übersicht der Sandia National Laboratories, die sich auf die Richtwerte der Planungssoftware PVsyst stützt, und Feldmessungen der Universidade Federal de Santa Catarina in Brasilien.
| Untergrund | Albedo | Quelle |
|---|---|---|
| trockener Asphalt | 0,09 bis 0,15 | Sandia, nach PVsyst |
| städtische Umgebung | 0,14 bis 0,22 | Sandia, nach PVsyst |
| Gras | 0,15 bis 0,25, frisches Gras 0,26 | Sandia, nach PVsyst |
| grauer Kies | 0,24 bis 0,25 | Messung UFSC, 414 Tage |
| Beton | 0,25 bis 0,35 | Sandia, nach PVsyst |
| rote Dachziegel | 0,33 | Sandia, nach PVsyst |
| neues verzinktes Stahlblech | 0,35 | Sandia, nach PVsyst |
| weißer Kies | 0,48 | Messung UFSC, 8 Tage |
| weiße Reflexionsfolie | 0,54 bis 0,60 | Messung UFSC |
| nasser Schnee | 0,55 bis 0,75 | Sandia, nach PVsyst |
| weiße Geomembran | 0,74 bis 0,79 | Messung UFSC, 86 Tage |
| frischer Schnee | 0,82 | Sandia, nach PVsyst |
Die Messungen zeigen außerdem, wie die Albedo im Betrieb schwankt. Beim grauen Kies sank sie an bewölkten Tagen auf rund 0,20, vermutlich weil nasser Kies dunkler ist. Die weiße Folie wurde über Monate durch Verschmutzung immer dunkler und erreichte erst nach einer Reinigung wieder ihren Ausgangswert. Eine weiße Dachbahn auf einem städtischen Flachdach dürfte sich ähnlich verhalten: Sie ist im ersten Jahr heller als im fünften.
Schnee ist ein Sonderfall. Laut Sandia kann der Wechsel von trockenem Beton oder Asphalt mit rund 0,2 zu frischem Schnee mit rund 0,8 die Leistung um 5 bis 10 Prozent erhöhen, vorausgesetzt, die Module selbst sind schneefrei. Steile und senkrechte bifaziale Module profitieren davon am meisten, weil Schnee von ihnen abrutscht und der helle Boden davor bleibt.
Was auf der Rückseite ankommt: Höhe, Abstand und Schatten
Die Albedo allein bestimmt den Mehrertrag nicht. Die IEA nennt fünf Größen, mit denen der bifaziale Gewinn steigt: die Albedo, der Anteil des diffusen Lichts, die Höhe der Module über dem Boden, der Abstand zwischen den Reihen und der Abstand zwischen den Modulen. Eine Auswertung von 27 Testanlagen ergab, dass keine dieser Größen allein den Gewinn gut erklärt; es kommt auf das Zusammenspiel an.
Höhe. Liegt ein Modul dicht über dem Untergrund, sieht seine Rückseite vor allem den eigenen Schatten. Je höher es steht, desto größer ist die beleuchtete Fläche, die es von hinten sieht. Deshalb bringt dieselbe weiße Dachbahn bei 10 Zentimetern Abstand wenig und bei einem halben Meter deutlich mehr.
Reihenabstand. Eng stehende Reihen beschatten den Boden zwischen sich. Weite Abstände lassen mehr Licht auf den Boden, kosten aber Fläche und damit Leistung je Quadratmeter Dach.
Randeffekte. Module am Rand einer Reihe bekommen mehr Licht von hinten, weil dort weniger Nachbarn den Boden verschatten. Die IEA nennt aufgeständerte Carports, Flachdachanlagen auf weißen Dächern und senkrechte Lärmschutzwände als Beispiele. Kleine Anlagen profitieren davon stärker als große; Messwerte aus kleinen Testfeldern lassen sich deshalb nicht auf große Anlagen übertragen.
Jahreszeit. In den Messungen aus den USA und Frankreich, die die IEA auswertet, ist der bifaziale Gewinn im Sommer am höchsten, weil die Sonne hoch steht. Im Winter liegt mehr vom Boden im Schatten, und weniger Licht erreicht die Rückseite. Schnee kann das umkehren.
Ungleichmäßigkeit. Das Licht auf der Rückseite ist laut IEA viel ungleichmäßiger verteilt als auf der Vorderseite. Unterkonstruktion, Anschlussdose und Rahmen werfen Schatten auf einzelne Zellen. Das führt zu elektrischen Fehlanpassungen innerhalb des Moduls und zwischen Modulen eines Strangs.
Mehrertrag nach Montageart
Die folgende Übersicht zeigt, was Messungen und Herstellerangaben für typische Einbausituationen nennen. Die Werte sind Spannen und keine Zusagen für ein bestimmtes Dach.
| Montage | Typischer Mehrertrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Schrägdach, parallel mit wenigen Zentimetern Abstand | 1 bis 2 % | Herstellerangaben laut 42watt |
| Indach, Fassade direkt auf der Wand, Modul auf Folie liegend | praktisch 0 % | keine Rückseitenbeleuchtung |
| Flachdach aufgeständert über grauem Kies oder dunkler Bahn | wenige Prozent | Albedo 0,2 bis 0,25, Modellrechnung unten |
| Flachdach höher aufgeständert mit weißer Folie | bis 15 % in kleiner Testanlage | ZHAW, 2021 bis 2025 |
| Freifläche oder Nachführung über Gras, Albedo 0,2 bis 0,3 | meist unter 10 % | IEA PVPS |
| heller Flachdach-Aufbau, Carport, Freifläche allgemein | 5 bis 20 % | Herstellerangaben laut 42watt |
| Schnee auf dem Boden, Module schneefrei | zusätzlich 5 bis 10 % in dieser Zeit | Sandia |
| senkrecht nach Ost und West, frei stehend | eigene Überschlagsrechnung, siehe unten | PVGIS-Werte, eigene Annahmen |
| Balkongeländer mit Wand dahinter | gering, keine belastbaren Messwerte | Einschätzung |
Die Studie der ZHAW verdient einen genaueren Blick, weil sie aus der Schweiz stammt und Flachdächer untersucht. Das Team um Hartmut Nussbaumer verglich verschiedene Aufbauten mit der häufigsten Referenz, flach geneigten Modulen nach Ost und West. Bifaziale Module, höher montiert bei gleicher Neigung und mit einer reflektierenden Folie auf dem Dach, brachten 15 Prozent mehr Jahresertrag. Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass reale Anlagen wohl weniger erreichen, weil die Testanlage klein ist und ihr Randbereich einen großen Anteil hat.
Wie Aufständerungen auf dem Flachdach aufgebaut sind und welche Ballastlasten sie brauchen, erklärt der Guide zur PV-Halterung für das Flachdach. Eine höhere Aufständerung bietet mehr Windangriffsfläche und braucht in der Regel mehr Ballast oder eine Verankerung; der Statiker muss das in die Lastannahmen aufnehmen.
Senkrecht nach Ost und West: der Solarzaun
Senkrecht stehende bifaziale Module mit einer Seite nach Osten und der anderen nach Westen sind die Bauform, in der die Rückseite am meisten zählt. Die Rückseite ist hier keine Nebensache, sondern die zweite Hälfte der Anlage. Morgens arbeitet die Ostseite, nachmittags die Westseite. Die IEA nennt als Vorteile eine breitere Erzeugungskurve über den Tag, die besser zum Verbrauch passt, sehr wenig Verschmutzung und Flächen, die darunter weiter nutzbar bleiben.
Wie viel das bringt, lässt sich mit PVGIS abschätzen. Für Mitteldeutschland (51° N, 10° O) mit 14 Prozent Systemverlusten liefert ein senkrechtes Modul nach Osten rund 521 Kilowattstunden je kWp im Jahr, nach Westen rund 518. Zum Vergleich: Nach Süden mit 35 Grad Neigung sind es rund 1.034, senkrecht nach Süden rund 727.
Eigene Überschlagsrechnung. Ein bifaziales Modul mit 80 Prozent Bifazialität steht frei als Zaun, Vorderseite nach Osten. Die Vorderseite liefert 521 Kilowattstunden je kWp. Die Rückseite schaut nach Westen und sieht ungefähr dasselbe Licht wie ein westseitiges Modul, also bis zu 0,8 × 518 = rund 414 Kilowattstunden je kWp. Zusammen sind das rechnerisch bis zu rund 935 Kilowattstunden je kWp, gut 90 Prozent eines Süddachs.
Diese Zahl ist eine rechnerische Obergrenze aus unserer vereinfachten Annahme, keine Messung und keine Herstellerangabe. Pfosten, Querriegel, Anschlussdose und Rahmen verschatten die Rückseite teilweise, das Licht ist ungleichmäßig verteilt, und Bewuchs oder Nachbargebäude nehmen Licht weg. Wie viel davon abgeht, hängt stark vom Gestell ab; mit einem angenommenen Abschlag von 10 bis 20 Prozent auf den Rückseitenanteil wärst du bei rund 850 bis 890 Kilowattstunden je kWp. Belastbare Werte für ein bestimmtes Zaunsystem liefert nur eine Simulation oder eine Messung.
Für ein Balkonkraftwerk im Garten ist diese Bauform interessant. Vier Module mit je 450 Watt Peak ergeben 1.800 Watt Peak, unter der Grenze von 2.000 Watt Peak. Weil Ost- und Westseite nie gleichzeitig volle Leistung liefern, bleibt die Anlage die meiste Zeit unter den 800 Voltampere des Wechselrichters, und es geht wenig durch Begrenzung verloren. Mit 1.800 Watt Peak sieht die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 statt des Schuko-Steckers eine Einspeisesteckdose vor. Ob ein Solarzaun genehmigungsfrei ist, regelt die jeweilige Landesbauordnung; frag im Zweifel beim Bauamt nach.
Bifazial am Balkon und auf dem Schrägdach
Am Balkongeländer hängt das Modul senkrecht mit der Vorderseite nach außen. Die Rückseite schaut auf den Balkonboden, die Hauswand und die Unterseite des Balkons darüber. Selbst ohne jedes Hindernis würde ein senkrechtes Modul nach Norden laut PVGIS nur rund 198 Kilowattstunden je kWp erzeugen, gut ein Viertel der Südseite. Am Balkon blockieren Wand und Decke den größten Teil dieses Himmels. Messwerte für Geländermodule haben wir nicht gefunden; ein Gewinn im niedrigen einstelligen Prozentbereich ist nach dieser Überlegung eine optimistische Annahme. Für die Wahl eines Geländermoduls zählen deshalb Gewicht, Maße und Halterung mehr als die Rückseite.
Auf dem Schrägdach liegt das Modul wenige Zentimeter über dunklen Ziegeln oder Blech. Die Rückseite sieht den eigenen Schatten und einen schmalen Streifen Dach. Händler und Hersteller nennen hier 1 bis 2 Prozent. Das ist kein Grund gegen bifaziale Glas-Glas-Module, denn sie kosten kaum mehr und bringen lange Garantien. Es ist aber ein Grund, im Angebot keinen Rückseitengewinn einzurechnen.
Wann bifaziale Module keinen Sinn ergeben
- Dachparallel auf dem Steildach. Zu wenig Abstand und dunkles Dach. Mehrertrag 1 bis 2 Prozent.
- Indach und Fassade ohne Hinterlüftung. Die Rückseite liegt auf Folie, Dämmung oder Wand. Kein Licht, kein Gewinn, dafür höhere Temperatur.
- Module direkt vor einer dunklen Wand. Kaum Licht und ein Hitzestau. Der JA-Solar-Guide nennt die Herstellerempfehlung von mindestens 10 Zentimetern Abstand.
- Eng aufgeständerte Ost-West-Flachdachanlagen. Die Module stehen niedrig und dicht, der Boden zwischen ihnen liegt im Schatten.
- Gründach mit hohem Bewuchs. Pflanzen beschatten die Unterseite, und die Albedo von Grün liegt im Bereich von Gras.
- Optisch dunkle Full-Black-Varianten mit undurchsichtiger Rückseite. Sie sind nicht bifazial, auch wenn sie aus Glas bestehen. Ein Blick ins Datenblatt klärt, ob ein Bifazialitätsfaktor angegeben ist.
Rechenbeispiel: Flachdach mit Kies oder weißer Bahn
Das folgende Beispiel ist eine Modellrechnung, keine Auslegung. Es zeigt, wie groß der Unterschied zwischen einem grauen Kiesdach und einer weißen Dachbahn in Euro sein kann.
Anlage. 22 bifaziale Module mit je 450 Watt Peak, zusammen 9,9 kWp, auf einem Flachdach in Mitteldeutschland, nach Süden mit 15 Grad Neigung aufgeständert, Unterkante rund 40 Zentimeter über dem Dach. PVGIS liefert für diese Ausrichtung rund 977 Kilowattstunden je kWp, also 9,9 × 977 = rund 9.670 Kilowattstunden ohne Rückseite.
Formel. Der Mehrertrag lässt sich näherungsweise als Bifazialitätsfaktor mal Rückseitenanteil schreiben. Der Rückseitenanteil ist die Einstrahlung auf der Rückseite im Verhältnis zur Vorderseite im Jahresmittel. Wir nehmen an, dass er bei dieser Höhe und mittlerem Reihenabstand ungefähr 15 bis 25 Prozent der Albedo beträgt. Diese Spanne ist eine eigene Modellannahme von Voltgeber, weder ein Messwert noch ein Normwert. Sie ist so gewählt, dass sie grob zu den oben genannten Ergebnissen passt: weniger als 10 Prozent Mehrertrag über natürlichem Boden laut IEA und 15 Prozent in der kleinen, randbegünstigten Testanlage der ZHAW mit reflektierender Folie. Eine Simulation mit der konkreten Geometrie kann deutlich andere Werte liefern.
| Größe (Modell) | grauer Kies, Albedo 0,25 | weiße Dachbahn, Albedo 0,75 |
|---|---|---|
| Rückseitenanteil, 15 bis 25 % der Albedo | 3,75 bis 6,25 % | 11,25 bis 18,75 % |
| Mehrertrag bei 80 % Bifazialität | 3 bis 5 % | 9 bis 15 % |
| zusätzliche Energie pro Jahr | rund 290 bis 480 kWh | rund 870 bis 1.450 kWh |
| Wert bei 20 ct je kWh im Mittel | rund 58 bis 97 € | rund 174 bis 290 € |
| Wert über 20 Jahre, ohne Alterung | rund 1.160 bis 1.940 € | rund 3.480 bis 5.800 € |
Wert einer Kilowattstunde. Wir setzen im Mittel 20 Cent an. Das entspricht grob einer Mischung aus Eigenverbrauch zum Arbeitspreis von rund 33 Cent, abgeleitet aus dem BDEW-Mittel von 37,3 Cent im Oktober 2026, und Einspeisung zu 7,70 Cent, die laut DGS für Anlagen bis 10 kWp mit Inbetriebnahme von August bis Dezember 2026 gilt. Weil der Rückseitengewinn vor allem mittags im Sommer anfällt, wenn ohnehin Überschuss da ist, liegt der reale Mittelwert eher am unteren Ende.
Was dagegen steht. Eine Anlage dieser Größe ohne intelligentes Messsystem darf nach § 9 Abs. 2 EEG höchstens 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen, hier rund 5,9 Kilowatt. Ein Teil des Rückseitengewinns an klaren Sommermittagen wird dann abgeregelt. Die höhere Aufständerung kostet mehr Material und Ballast. Und eine weiße Dachbahn muss sauber bleiben, um ihre Albedo zu halten.
Ergebnis. Auf einem grauen Kiesdach ist der Mehrertrag klein, aber praktisch kostenlos, weil bifaziale TOPCon-Module heute kaum mehr kosten als monofaziale. Auf einer weißen Dachbahn kann er über die Lebensdauer einige tausend Euro wert sein. Ob es sich lohnt, die Bahn eigens für die Solaranlage aufzuhellen oder die Aufständerung zu erhöhen, hängt von den Mehrkosten für Unterkonstruktion, Ballast und Dachbahn ab; die müssen im Angebot stehen.
Glas-Glas: Haltbarkeit, Gewicht und Garantie
Fast alle bifazialen Module für Dächer sind Doppelglasmodule. Die beiden Beispiele in der Tabelle oben verwenden je 1,6 Millimeter dickes, thermisch vorgespanntes Glas vorne und hinten und wiegen 21 bis 22 Kilogramm. Das ist kaum schwerer als ein Glas-Folie-Modul gleicher Größe. Bei großen Formaten für Freiflächen und Gewerbedächer mit 2,0 oder 2,5 Millimeter dicken Scheiben steigt das Gewicht deutlich, wie der Guide zu 600-Watt-Modulen zeigt.
Beide Hersteller geben 25 Jahre Produktgarantie und 30 Jahre Leistungsgarantie, mit höchstens 1 Prozent Leistungsverlust im ersten Jahr und 0,4 Prozent in jedem weiteren Jahr. Nach 30 Jahren garantiert Trina damit noch 87,4 Prozent der Nennleistung. Für die mechanische Belastbarkeit nennt Trina 5.400 Pascal Schneelast und 4.000 Pascal Windlast als Testlasten, JA Solar 5.400 Pascal vorne und 2.400 Pascal hinten als maximale statische Last. Welche Werte für deine Klemmposition gelten, steht in der Installationsanleitung.
Doppelglas ist nicht automatisch unverwüstlich. Die IEA beschreibt mehrere Alterungsmechanismen, die bifaziale Module besonders betreffen können. Bei PERC-Zellen kann licht- und temperaturinduzierte Degradation auftreten, wenn der Hersteller den Stabilisierungsschritt nicht einhält. Bei Doppelglasmodulen mit EVA als Einbettungsmaterial ist das Risiko potenzialinduzierter Degradation höher, weil das Glas mehr Natriumionen liefert; Polyolefin-Einbettung verhindert das weitgehend. Frag beim Händler nach, welches Material verbaut ist, wenn das Datenblatt es nicht nennt.
Im Alltag zählt außerdem die Handhabung. Glaskanten sind empfindlich, und ein Doppelglasmodul darf nie auf einer Ecke abgestellt werden. Prüfe bei der Anlieferung auf Risse und beschädigte Rahmen. Am Ende der Nutzung gehören Module wie alle Photovoltaikmodule in die getrennte Sammlung für Elektroaltgeräte; an den kommunalen Sammelstellen bilden sie nach § 14 ElektroG eine eigene Sammelgruppe.
Elektrik: höherer Strom, gleiche Nennleistung
Die Rückseite erhöht vor allem den Strom, die Spannung bleibt fast gleich. Laut JA-Solar-Datenblatt steigt der Kurzschlussstrom des 450-Watt-Moduls bei 10 Prozent Einstrahlungsverhältnis von 14,41 auf 15,56 Ampere, beim Trina-Modul mit 10 Prozent Rückseitengewinn von 10,74 auf 11,81 Ampere. Die IEA weist darauf hin, dass Planer Kabel, Sicherungen und Wechselrichter für diese höheren Ströme auslegen müssen.
Für Balkonkraftwerke ist das relevant, weil viele Mikrowechselrichter einen begrenzten Eingangsstrom haben. Ein Modul mit 14 bis 16 Ampere Kurzschlussstrom kann an manchen Geräten an die Grenze kommen. Der Wechselrichter begrenzt den Strom dann, und ein Teil des Rückseitengewinns bleibt ungenutzt. Prüfe die maximal zulässigen Eingangsströme im Datenblatt des Wechselrichters gegen den Kurzschlussstrom mit Rückseitengewinn, nicht nur gegen den Wert unter Standardbedingungen.
Für alle Grenzen zählt die Nennleistung der Vorderseite. Die 2.000 Watt Peak für Steckersolargeräte nach § 8 Abs. 5a EEG, die 960 Watt Peak für den Schuko-Stecker nach der Produktnorm und der Eintrag im Marktstammdatenregister beziehen sich nach unserem Verständnis auf den STC-Wert laut Datenblatt. Wie die Grenzen zusammenwirken, erklärt der Guide zu 2.000 Watt.
Preise: was bifazial mehr kostet
Bifaziale Module sind heute Standardware. Der Modulpreisindex von pvXchange führte bifaziale Module bis April 2022 als eigene Kategorie, zuletzt mit 0,40 Euro je Watt Peak im Großhandel. Seitdem gibt es diese Kategorie nicht mehr; die Preise werden nach Wirkungsgradklasse und Optik sortiert. Im September 2026 nannte der Index für Module mit hohem Wirkungsgrad über 23,5 Prozent 0,145 Euro je Watt Peak, für Mainstream-Module 0,130 Euro und für Full-Black-Module 0,155 Euro. Das sind Großhandelspreise für große Mengen.
Im Endkundenhandel liegen die Preise deutlich höher. 42watt nannte im April 2026 für 400-Watt-Module von Markenherstellern im Online-Handel 60 bis 110 Euro je Stück, für Heterojunction-Module im Premiumsegment 180 bis 225 Euro. Der Aufschlag hängt dabei an der Zelltechnik und der Marke, nicht an der Bifazialität. Ein bifaziales TOPCon-Glas-Glas-Modul kostet nach diesen Marktbeobachtungen kaum mehr als ein monofaziales Modul derselben Leistungsklasse. Für Anlagen auf Wohngebäuden gilt in Deutschland der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG.
Teurer wird eine bifaziale Anlage durch das, was um die Module herum nötig ist: höhere Aufständerung, mehr Ballast, ein heller Dachbelag oder ein Zaunsystem, das die Rückseite möglichst wenig verschattet. Diese Kosten entscheiden über die Wirtschaftlichkeit, nicht der Modulpreis.
Bifazial im Vergleich mit anderen Modultypen
Monofaziales Glas-Folie-Modul. Etwas leichter bei dickerem Frontglas, oft etwas günstiger, auf dem Schrägdach praktisch gleich im Ertrag. Kürzere Produktgarantien sind bei Glas-Folie häufiger.
Glas-Glas ohne Bifazialität. Manche Full-Black-Module haben eine dunkle, undurchsichtige Rückseite trotz Glas. Sie bieten die Haltbarkeit von Doppelglas ohne Rückseitengewinn und sind für Steildächer mit Wert auf Optik gedacht.
Semitransparente Module. Sie lassen bewusst Licht durch, etwa für Terrassendächer oder Wintergärten, und haben dafür weniger Leistung je Fläche. Ein Teil davon ist ebenfalls bifazial. Was sie können, steht im Guide zu transparenten Solarmodulen.
Carport und Terrassendach. Hier stehen Glas-Glas-Module oft frei über hellem Pflaster oder Beton. Das ist eine der wenigen Situationen im Wohnbereich, in denen die Rückseite ohne Zusatzaufwand Licht bekommt. Wie solche Anlagen geplant werden, erklärt der Guide zum Solar-Carport.
So planst du eine bifaziale Anlage
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Montageort prüfen. Bekommt die Rückseite überhaupt Licht? Bei dachparalleler Montage auf dem Steildach kannst du die Frage mit Nein beantworten und den Rückseitengewinn aus der Rechnung streichen.
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Untergrund einschätzen. Notiere, worüber die Module stehen: Kies, Bitumen, weiße Bahn, Gras, Beton, Pflaster. Nimm die Albedo aus der Tabelle oben und rechne mit dem unteren Wert, weil Feuchte und Schmutz die Werte senken.
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Höhe und Abstand festlegen. Kläre mit dem Planer, wie hoch die Module stehen können und welche Ballast- oder Verankerungslast das bedeutet.
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Datenblatt lesen. Suche den Bifazialitätsfaktor mit Toleranz, die Definition der Rückseitenszenarien und den Kurzschlussstrom mit Rückseitengewinn.
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Wechselrichter abgleichen. Prüfe, ob die Eingänge den erhöhten Strom aufnehmen. Bei Balkonkraftwerken gilt das besonders für Mikrowechselrichter.
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Ertrag ohne und mit Rückseite rechnen. Rechne die Vorderseite mit PVGIS und den Rückseitengewinn getrennt als Spanne. Ein Angebot, das 15 Prozent Mehrertrag pauschal einrechnet, sollte erklären, worauf die Zahl beruht.
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Mehrkosten gegenüberstellen. Vergleiche den Wert des Mehrertrags über 20 Jahre mit den Mehrkosten für Aufständerung, Ballast und Dachbelag.
Worauf du im Datenblatt und im Angebot achtest
- Bifazialitätsfaktor mit Toleranz. 80 ± 5 Prozent ist enger als 80 ± 10 Prozent. Für die Planung zählt der untere Wert.
- Definition der Szenarien. Zusätzliche Leistung oder Einstrahlungsverhältnis, das ist nicht dasselbe.
- Nennleistung der Vorderseite. Nur der STC-Wert gehört in Angebote, Register und Grenzrechnungen.
- Glas und Gewicht. Dicke der Scheiben, Gewicht und zulässige Lasten für deine Klemmposition.
- Einbettungsmaterial. POE oder EVA, wichtig für das Risiko potenzialinduzierter Degradation.
- Garantie. Produktgarantie in Jahren, Leistungsgarantie mit Degradation im ersten und in den Folgejahren.
- Ertragsprognose. Getrennte Angabe für Vorderseite und Rückseitengewinn, mit Angabe der angenommenen Albedo und Höhe.
Häufige Fehler
- Bifazialen Wert als Nennleistung lesen. Folge: falscher Preisvergleich je Watt Peak und im Zweifel ein falscher Eintrag im Register. Lösung: immer den STC-Wert der Vorderseite verwenden.
- Rückseitengewinn auf dem Steildach einrechnen. Folge: zu optimistische Wirtschaftlichkeit. Lösung: mit null bis 2 Prozent rechnen.
- Laborwerte für den Jahresertrag halten. Folge: Erwartungen von 20 bis 30 Prozent, die sich auf ideale Bedingungen beziehen. Lösung: mit den Spannen aus Messungen rechnen.
- Weiße Bahn ohne Pflege. Folge: Die Albedo sinkt mit der Verschmutzung. Lösung: Reinigung einplanen oder mit einem niedrigeren Wert rechnen.
- Kurzschlussstrom nicht prüfen. Folge: Der Wechselrichter begrenzt den Strom, der Gewinn geht verloren. Lösung: Eingangsstrom gegen den Wert mit Rückseitengewinn prüfen.
- Modul direkt an die Wand setzen. Folge: kein Rückseitengewinn und höhere Temperatur. Lösung: Abstand nach Herstellerangabe oder ein monofaziales Modul wählen.
- Ergebnisse kleiner Testfelder hochrechnen. Folge: Überschätzung, weil Randeffekte kleine Anlagen begünstigen. Lösung: Für größere Felder Simulationen mit der konkreten Geometrie verlangen.
Österreich und Schweiz
In Österreich gelten für bifaziale Module dieselben physikalischen Zusammenhänge; die Albedo-Werte und die Montageregeln sind übertragbar. In alpinen Lagen mit langer Schneedecke kann die Rückseite im Winter mehr beitragen als in Deutschland, vorausgesetzt, die Module stehen steil genug, damit Schnee abrutscht. Für Mini-PV-Anlagen gilt eine Grenze von 800 Watt Engpassleistung je Netzbenutzer, die Meldung erfolgt laut E-Control mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber. Seit 1. April 2025 fallen auf Photovoltaikmodule wieder 20 Prozent Umsatzsteuer an; ein Nullsteuersatz wie in Deutschland besteht nicht mehr.
Für die Schweiz ist die Flachdachstudie der ZHAW besonders relevant, die das Bundesamt für Energie mitfinanziert hat: 15 Prozent Mehrertrag mit höher montierten bifazialen Modulen und reflektierender Folie in der Testanlage. Für die Anlagenleistung nach Art. 13 EnV, die etwa beim Zusammenschluss zum Eigenverbrauch zählt, ist laut Leitfaden Eigenverbrauch die normierte Leistung der Modulvorderseite maßgeblich; der Rückseitengewinn erhöht die Anlagenleistung also nicht. Steckerfertige Anlagen dürfen nach der Mitteilung des ESTI je Bezügerleitung höchstens 600 Watt abgeben; ein bifazialer Gartenzaun muss als Plug-and-Play-Anlage auf diese Leistung begrenzt sein. Die Mehrwertsteuer beträgt 8,1 Prozent.
Nächste Schritte
Häufige Fragen
Was bedeutet bifazial bei Solarmodulen?
Bifazial heißt zweiseitig. Die Solarzellen nehmen Licht über die Vorder- und über die Rückseite auf, weil die Rückseite statt einer undurchsichtigen Folie aus Glas oder einer transparenten Folie besteht. Die Rückseite nutzt vor allem Licht, das vom Boden, vom Dach oder von der Umgebung reflektiert wird.
Wie viel Mehrertrag bringen bifaziale Solarmodule?
Das hängt fast ganz von der Montage ab. Auf einem Ziegeldach mit wenigen Zentimetern Abstand sind es nach Herstellerangaben 1 bis 2 Prozent. Aufgeständert auf einem hellen Flachdach, auf einem Carport oder auf einer Freifläche liegen typische Werte bei 5 bis 15 Prozent, über Schnee kurzzeitig mehr.
Lohnen sich bifaziale Module auf dem Schrägdach?
Für den Mehrertrag kaum, weil hinter dem Modul nur wenige Zentimeter dunkles Dach liegen. Bifaziale Glas-Glas-Module kosten aber kaum mehr als monofaziale und bringen oft lange Garantien mit. Wer sie wegen Haltbarkeit und Garantie wählt, verliert nichts; mit Rückseitengewinn rechnen sollte er nicht.
Was ist der Bifazialitätsfaktor?
Er gibt an, wie viel Leistung die Rückseite im Verhältnis zur Vorderseite bei gleicher Einstrahlung liefert. Bei 80 Prozent bringt die Rückseite unter Standardbedingungen vier Fünftel der Vorderseitenleistung. Die Messung regelt die technische Spezifikation IEC TS 60904-1-2.
Welcher Untergrund ist für bifaziale Module am besten?
Je heller, desto besser. Frischer Schnee reflektiert rund 82 Prozent, eine weiße Geomembran in Messungen 74 bis 79 Prozent, weißer Kies rund 48 Prozent. Beton liegt bei 25 bis 35 Prozent, Gras bei 15 bis 26 Prozent und trockener Asphalt nur bei 9 bis 15 Prozent.
Sind bifaziale Module am Balkon sinnvoll?
Selten. Hinter einem Geländermodul liegen meist Balkonboden, Wand und die Decke des Balkons darüber, die wenig Licht auf die Rückseite lassen. Ein messbarer Gewinn ist nur zu erwarten, wenn das Modul frei steht, etwa als Gartenzaun oder auf einer Terrasse ohne Wand dahinter.
Zählt die Rückseite bei der 2.000-Watt-Grenze des Balkonkraftwerks?
Nach unserem Verständnis nicht. Maßgeblich ist die Nennleistung der Vorderseite unter Standardtestbedingungen laut Datenblatt. Ein 450-Watt-Modul bleibt ein 450-Watt-Modul, auch wenn der Hersteller mit Rückseitengewinn 495 Watt ausweist.
Sind bifaziale Module schwerer?
Nicht zwingend. Mit zwei Glasscheiben von je 1,6 Millimetern wiegen Module im Format 1.762 × 1.134 Millimeter laut Trina und JA Solar 21 bis 22 Kilogramm, kaum mehr als vergleichbare Glas-Folie-Module. Bei großen Formaten mit 2,0- oder 2,5-Millimeter-Glas steigt das Gewicht deutlich.
Warum ist der Strom bei bifazialen Modulen höher?
Die Rückseite erzeugt zusätzlichen Strom bei fast gleicher Spannung. Bei 10 Prozent Rückseitengewinn steigt der Kurzschlussstrom eines 450-Watt-Moduls laut JA-Solar-Datenblatt von 14,41 auf 15,56 Ampere. Wechselrichter, Optimierer und Kabel müssen diesen Strom vertragen.
Quellen
- Bifacial Photovoltaic Modules and Systems: Experience and Results from International Research and Pilot Applications, Executive Summary (Report IEA-PVPS T13-14:2021)
- PV Performance Modeling Collaborative: Albedo
- Field-based albedo characterization station: assessing ground reflectivity for enhanced modeling of bifacial photovoltaic systems (SWC 2025)
- Den Stromertrag von Photovoltaik auf Flachdächern maximieren (15.04.2025)
- Trina Solar: Datenblatt Vertex S+ TSM-NEG9RC.27, bifaziales Doppelglasmodul 425 bis 450 W (TSM_DE_2024_B)
- JA Solar: Datenblatt JAM54D41 LB 430 bis 455 W, n-type Double Glass Bifacial (Global-EN-20241129A)
- PVGIS 5.3: Jahreserträge je kWp für 51° N, 10° O, 14 Prozent Systemverluste (Süd 35° und 15°, senkrecht Ost, West, Süd, Nord)
- pvXchange-Modulpreisindex: Preise September 2026
- Solarmodul 400 Watt 2026: Hersteller im Vergleich (30.04.2026)
- EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte
- EEG § 9 Abs. 2: Begrenzung der Einspeisung auf 60 Prozent
- DKE: Normauslegung zur DIN VDE V 0126-95 (17.12.2025)
- DGS-Arbeitshilfe: EEG-Vergütungssätze ab 1. August 2026
- UStG § 12 Abs. 3: Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen
- BDEW-Strompreisanalyse (Oktober 2026)
- ElektroG § 14: Sammelgruppe 6 Photovoltaikmodule
- E-Control: Anschluss von Kleinsterzeugungsanlagen (Mini-PV-Anlagen)
- Steuersatz für Photovoltaikmodule
- Leitfaden Eigenverbrauch, Version 3.0 (Mai 2023): Produktionsleistung nach Art. 13 EnV
- ESTI-Mitteilung 7/2014: Plug-&-Play-Photovoltaikanlagen
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