Balkonkraftwerk
Welcher Wechselrichter für Balkonkraftwerk? Kriterien im Überblick
Für ein Balkonkraftwerk brauchst du einen Mikrowechselrichter mit 800 VA, NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105 und genug Eingängen für deine Module. Die Kriterien.
Dieser Ratgeber befindet sich noch in der Prüfung. Einzelne Angaben können sich ändern.
Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland darf der Wechselrichter höchstens 800 Voltampere ins Hausnetz abgeben; in der Schweiz sind es 600 Watt.
- Pflicht ist ein Netz- und Anlagenschutz nach VDE-AR-N 4105, nachgewiesen mit Konformitätserklärung oder Zertifikat des Herstellers.
- Für zwei Module reicht ein Gerät mit zwei Eingängen, für drei bis vier Module bis 2.000 Watt Peak brauchst du vier Eingänge.
- Der Eingangsstrom des Wechselrichters muss zum Strom moderner Module passen, die oft 13 bis 14 Ampere liefern.
- Mikrowechselrichter mit 800 VA kosten Stand November 2026 etwa 80 bis 300 Euro, je nach Zahl der Eingänge.
Für ein Balkonkraftwerk brauchst du einen Mikrowechselrichter, der höchstens 800 Voltampere ins Hausnetz abgibt, die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 mit integriertem Netz- und Anlagenschutz erfüllt und so viele Eingänge hat wie deine Module, also zwei für zwei Module und vier für drei bis vier Module. Danach entscheiden Eingangsstrom, Wirkungsgrad, Garantie und die Frage, ob du Daten per App oder lokal auslesen willst. Stand November 2026 kosten solche Geräte etwa 80 bis 300 Euro.
Was der Wechselrichter im Balkonkraftwerk macht
Solarmodule liefern Gleichstrom mit einer Spannung, die je nach Licht und Temperatur schwankt. Der Wechselrichter macht daraus Wechselstrom mit 230 Volt und 50 Hertz, synchron zum Hausnetz, und speist ihn über den Stecker in den Stromkreis der Wohnung ein. Dabei erledigt er drei weitere Aufgaben:
- MPP-Tracking: Er sucht laufend den Arbeitspunkt, an dem die Module die meiste Leistung abgeben. Ein Gerät mit einem Tracker je Modul verliert weniger, wenn ein Modul verschattet ist.
- Leistungsbegrenzung: Er riegelt bei 800 Voltampere ab, auch wenn die Module mittags mehr liefern könnten.
- Netz- und Anlagenschutz: Er überwacht Spannung und Frequenz und trennt sich über Relais vom Netz, sobald das Netz ausfällt oder der Stecker gezogen wird.
Rechtlich ist der Wechselrichter der Teil, an dem die wichtigste Grenze hängt. § 8 Absatz 5a EEG erlaubt Steckersolargeräte mit einer Wechselrichterleistung von insgesamt bis zu 800 Voltampere und einer installierten Modulleistung von insgesamt bis zu 2 Kilowatt. Welche Regeln sonst gelten, steht im Überblick zu den Regeln.
Die Kriterien auf einen Blick
Die Tabelle nennt, worauf du im Datenblatt achtest, und typische Werte, wie sie Hersteller von Mikrowechselrichtern für Balkonkraftwerke angeben. Einzelne Modelle weichen ab.
| Kriterium | Worauf du achtest | Typische Angabe im Datenblatt |
|---|---|---|
| AC-Nennleistung | höchstens 800 VA in Deutschland, 600 W in der Schweiz | 800 VA oder einstellbar |
| Netz- und Anlagenschutz | Konformität mit VDE-AR-N 4105, integrierter NA-Schutz | Konformitätserklärung oder Zertifikat |
| Zahl der Eingänge | mindestens so viele wie Module oder Modulpaare | 2 oder 4 |
| MPP-Tracker | je Eingang ein Tracker ist besser bei Teilverschattung | 1, 2 oder 4 |
| Max. DC-Eingangsleistung je Eingang | passt zur Modulleistung, leichte Überbelegung ist üblich | etwa 400 bis 700 W je nach Modell |
| Max. Eingangsstrom je Eingang | mindestens so hoch wie der Strom deiner Module | ältere Geräte um 12 A, neuere 14 A und mehr |
| MPPT-Spannungsbereich | Modulspannung liegt innerhalb | etwa 16 bis 60 V |
| Wirkungsgrad | höher ist besser, Unterschiede sind klein | Spitzenwert etwa 95 bis 97 Prozent |
| Schutzart | für Außenmontage geeignet | IP67 |
| Kommunikation | App über WLAN, Funk-Gateway oder lokal | WLAN, Bluetooth oder Funk |
| Garantie | Laufzeit und wer sie in Deutschland abwickelt | häufig 10 bis 15 Jahre |
Netz- und Anlagenschutz: das Pflichtkriterium
Der Wechselrichter muss die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz erfüllen. Sie verlangt unter anderem einen Netz- und Anlagenschutz, der bei Netzausfall oder unzulässiger Spannung und Frequenz abschaltet, und Relais, die den Wechselrichter dabei vom Netz trennen. Der Hersteller weist die Konformität mit einer Erklärung oder einem Zertifikat nach. Bewahre das Dokument zusammen mit der Registrierungsbestätigung aus dem Marktstammdatenregister auf; Netzbetreiber, Förderstellen und Versicherer fragen danach.
Seit Dezember 2025 gibt es mit der DIN VDE V 0126-95 außerdem eine Produktnorm für komplette Steckersolargeräte. Sie ist eine Vornorm und ihre Anwendung grundsätzlich freiwillig, beschreibt aber den Stand der Technik. Für den Anschluss mit gewöhnlichem Schuko-Stecker verlangt sie zusätzliche Schutzmaßnahmen, zum Beispiel einen Wechselrichter, der Leistungswandlung beendet und die Relais öffnet, bevor die Steckerstifte nach dem Ziehen berührbar sind; die Normauslegung der DKE nennt dafür eine Abschaltzeit von höchstens 100 Millisekunden. Der Schuko-Anschluss nach dieser Norm gilt für Geräte bis 800 Voltampere und 960 Watt Peak Modulleistung; für bis zu 2.000 Watt Peak sieht sie eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor. Was das für größere Anlagen bedeutet, steht im Guide zu 2.000 Watt.
Eingänge und Module richtig kombinieren
Die Zahl der Eingänge bestimmt, wie viele Module du anschließen kannst, ohne zu basteln.
| Konfiguration | Modulleistung | Passender Wechselrichter |
|---|---|---|
| 2 Module à 400 bis 500 Watt Peak | 800 bis 1.000 Watt Peak | 800 VA mit 2 Eingängen |
| 3 Module | bis etwa 1.500 Watt Peak | 800 VA mit 4 Eingängen, ein Eingang frei |
| 4 Module à 400 bis 500 Watt Peak | 1.600 bis 2.000 Watt Peak | 800 VA mit 4 Eingängen, oder 2 Eingänge mit Herstellerfreigabe für Parallelschaltung |
| 2 bis 4 Module mit Speicher | bis 2.000 Watt Peak | Speicher mit eigenen Solareingängen, Wechselrichter dahinter oder integriert |
Zwei Werte im Datenblatt verdienen einen zweiten Blick:
Eingangsstrom. Moderne Module mit großen Zellen liefern im Arbeitspunkt oft 13 bis 14 Ampere, im Kurzschluss mehr. Ist der zulässige Eingangsstrom des Wechselrichters kleiner, begrenzt er den Strom und du verschenkst Leistung. Achte außerdem darauf, dass der Kurzschlussstrom der Module den im Datenblatt genannten zulässigen Höchstwert nicht übersteigt.
Spannung. Mikrowechselrichter arbeiten mit Kleinspannung, typischerweise bis 60 Volt je Eingang. Zwei Module in Reihe an einen Eingang überschreiten diese Grenze und sind nicht zulässig; parallel geht nur, wenn der Hersteller es freigibt.
Leichte Überbelegung ist normal und sinnvoll: An einem Eingang für 500 Watt darf ein 450-Watt-Modul hängen, auch ein etwas stärkeres, solange Strom und Spannung passen. Der Wechselrichter regelt mittags ab, morgens und abends holt er mehr heraus. Wie viel das bringt, steht im Guide zum Ertrag.
Bauformen: Mikrowechselrichter, Speicher mit Wechselrichter, Hybridgeräte
Mikrowechselrichter sind der Standard. Sie sitzen hinter oder neben den Modulen am Geländer, sind wasserdicht und haben zwei oder vier Eingänge. In deutschen Sets findet man häufig Geräte von Herstellern wie Hoymiles, APsystems, Deye, Envertech, TSUN oder Growatt; die Nennung ist eine Beobachtung, keine Rangfolge.
Speicher mit eigenen Solareingängen schalten sich zwischen Module und Mikrowechselrichter. Sie laden mit dem Gleichstrom der Module und geben dem Wechselrichter vor, wie viel er einspeist. Der vorhandene Wechselrichter bleibt in der Regel nutzbar.
All-in-one-Geräte vereinen Laderegler, Batterie und Wechselrichter in einem Gehäuse. Für sie gilt die 800-Voltampere-Grenze genauso. Wie die Varianten technisch funktionieren, steht im Guide zur Funktion eines Balkonkraftwerks mit Speicher, die Unterschiede zwischen AC- und DC-Kopplung im Guide zum AC-Speicher.
App, Cloud oder lokal
Fast alle Mikrowechselrichter lassen sich per App auslesen, über WLAN direkt oder über ein Funk-Gateway. Die meisten Apps laufen über die Cloud des Herstellers. Das ist bequem, macht dich aber davon abhängig, dass der Dienst weiterläuft. Für einige verbreitete Geräte gibt es Open-Source-Projekte aus der Community, die Daten lokal auslesen; sie sind nicht vom Hersteller unterstützt, und du nutzt sie auf eigenes Risiko.
Wichtig ist eine Funktion zur Leistungsbegrenzung. Mit ihr stellst du sicher, dass das Gerät bei 800 Voltampere bleibt, und bei Speichern steuert sie die Nulleinspeisung. Prüfe, ob die Begrenzung auch ohne Internetverbindung erhalten bleibt.
Was ein Wechselrichter kostet
Stand November 2026 beobachten wir im deutschen Handel folgende Spannen für Mikrowechselrichter mit 800 Voltampere. Sie sind keine Angebote und schwanken mit Aktionen und Lieferumfang.
| Gerät | Typische Spanne | Anmerkung |
|---|---|---|
| 800 VA, 2 Eingänge | etwa 80 bis 200 Euro | Standard für zwei Module |
| 800 VA, 4 Eingänge | etwa 150 bis 300 Euro | für drei bis vier Module |
| Funk-Gateway zum Auslesen | etwa 30 bis 100 Euro | nur bei Geräten ohne eingebautes WLAN |
Auch auf den Wechselrichter fällt nach § 12 Absatz 3 Umsatzsteuergesetz keine Mehrwertsteuer an, wenn er für ein Balkonkraftwerk an einem Wohngebäude gekauft wird. Was das ganze Set kostet, steht im Guide zu den Kosten.
Häufige Fehler beim Kauf
- 600-Watt-Gerät für vier Module. Alte 600-Watt-Wechselrichter mit zwei Eingängen begrenzen eine größere Anlage unnötig. Ob eine Freischaltung auf 800 Voltampere möglich und zertifiziert ist, steht beim Hersteller.
- Eingangsstrom übersehen. Ein günstiger Wechselrichter mit 11 oder 12 Ampere je Eingang an Modulen mit 14 Ampere kostet jeden Tag Ertrag.
- Kein Nachweis zur VDE-AR-N 4105. Ohne Dokument gibt es Ärger mit Netzbetreiber, Förderstelle und Versicherung.
- Leistung per App über 800 Voltampere gestellt. Damit verlässt du das vereinfachte Verfahren; die Anlage wäre eine reguläre Photovoltaikanlage mit Anmeldung beim Netzbetreiber.
- Wechselrichter in der prallen Sonne ohne Hinterlüftung. Hohe Temperaturen drosseln die Leistung und verkürzen die Lebensdauer. Montiere ihn im Schatten des Moduls.
Anmeldung
Im Marktstammdatenregister trägst du die Wechselrichterleistung in Watt beziehungsweise Voltampere ein, zusammen mit Modulleistung, Standort und Inbetriebnahmedatum. Tauschst du den Wechselrichter gegen ein Gerät mit anderer Leistung, meldest du die Änderung innerhalb eines Monats. Den Ablauf zeigt die Anleitung zur Anmeldung.
Österreich und Schweiz
In Österreich liegt die Grenze für Kleinsterzeugungsanlagen ebenfalls bei 800 Watt. Netzbetreiber verlangen in der Regel Nachweise, dass der Wechselrichter die österreichischen Technischen und Organisatorischen Regeln für Erzeugungsanlagen erfüllt. Viele in Deutschland verkaufte Mikrowechselrichter haben solche Nachweise; prüf das Datenblatt und die Vorgaben deines Netzbetreibers, bevor du kaufst. Die Meldung erfolgt beim Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme.
In der Schweiz darf die AC-Ausgangsleistung einer Plug-and-Play-Anlage 600 Watt je Anschluss nicht übersteigen. Ein 800-Watt-Wechselrichter muss deshalb auf 600 Watt begrenzt sein; Geräte, die sich nur per App drosseln lassen, sind ein Graubereich. Anlagen über 600 Watt brauchen nach unserem Stand einen eigenen, fest angeschlossenen Stromkreis, eingerichtet durch eine Elektrofachperson. Die Meldung erfolgt beim Verteilnetzbetreiber; Auskunft zu den Vorgaben gibt das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI.
Nächste Schritte
Häufige Fragen
Welcher Wechselrichter ist für ein Balkonkraftwerk erlaubt?
Ein Wechselrichter mit höchstens 800 Voltampere Ausgangsleistung, der die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 erfüllt und einen integrierten Netz- und Anlagenschutz hat. Der Hersteller weist das mit einer Konformitätserklärung oder einem Zertifikat nach. Eine bestimmte Marke schreibt das Gesetz nicht vor.
Brauche ich einen Wechselrichter mit 2 oder 4 Eingängen?
Das hängt von der Zahl der Module ab. Zwei Module brauchen zwei Eingänge, drei oder vier Module bis zusammen 2.000 Watt Peak brauchen vier Eingänge oder einen Wechselrichter, dessen Eingänge für zwei parallel geschaltete Module freigegeben sind. Entscheidend ist das Datenblatt.
Kann ich einen 600-Watt-Wechselrichter auf 800 Watt umstellen?
Nur, wenn der Hersteller das freigibt und Konformitätserklärung oder Zertifikat die 800 Voltampere abdecken. Viele Geräte der älteren 600-Watt-Generation wurden per Firmware freigeschaltet, andere nicht. Ohne passenden Nachweis bleibst du bei 600 Watt.
Darf der Wechselrichter mehr als 800 Watt leisten, wenn ich ihn drossele?
Ja, wenn er dauerhaft auf 800 Voltampere begrenzt ist und der Nachweis für diese Einstellung gilt. Die Grenze nach § 8 Absatz 5a EEG bezieht sich auf die Wechselrichterleistung, die ins Hausnetz gehen kann. Eine Drosselung, die du per App jederzeit aufheben kannst, ist im Zweifel angreifbar.
Wie lange hält ein Mikrowechselrichter?
Hersteller geben häufig 10 bis 15 Jahre Garantie, einzelne mehr. Er ist damit das Bauteil, das im Leben eines Balkonkraftwerks am ehesten getauscht wird. Ein Ersatzgerät kostet Stand November 2026 etwa 80 bis 300 Euro.
Brauche ich WLAN für den Wechselrichter?
Für den Betrieb nicht. Der Wechselrichter speist auch ohne Netzwerk ein. WLAN oder ein Funk-Gateway brauchst du nur, wenn du Ertrag und Leistung in einer App sehen oder die Leistung fernsteuern willst.
Quellen
- EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte
- EEG § 3 Nr. 43: Begriffsbestimmung Steckersolargerät
- VDE FNN: Steckerfertige PV-Anlagen, was jetzt möglich ist
- VDE: Weltweit erste Produktnorm für Steckersolargeräte (DIN VDE V 0126-95)
- DKE: Normauslegung zur DIN VDE V 0126-95 (17.12.2025)
- Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur
- E-Control: Photovoltaik und Kleinsterzeugungsanlagen
- Eidgenössisches Starkstrominspektorat ESTI
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgeblich sind die Vorgaben deines Netzbetreibers und deiner Kommune.