Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk Ertrag: Wie viel Strom 800 Watt wirklich liefern

Ein 800-Watt-Set liefert in Deutschland etwa 500 bis 850 kWh im Jahr. Realistische Erträge nach Ausrichtung und Neigung, Monatsverlauf, Schatten und Messung.

Von Voltgeber Redaktion Aktualisiert Zuletzt geprüft 6 Min. Lesezeit Gilt für DeutschlandÖsterreichSchweiz

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Balkonkraftwerk Ertrag: Wie viel Strom 800 Watt wirklich liefern

Das Wichtigste in Kürze

  • Süd, 30 Grad geneigt, ohne Schatten: etwa 800 bis 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak und Jahr in Deutschland.
  • Senkrecht am Südgeländer: etwa 550 bis 700 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, rund ein Viertel weniger.
  • Ein Set mit zwei Modulen (etwa 880 Watt Peak) liefert damit grob 500 bis 850 Kilowattstunden im Jahr.
  • Mai bis August bringen rund die Hälfte des Jahresertrags, November bis Januar zusammen unter zehn Prozent.
  • Nur der selbst verbrauchte Anteil spart Geld; ohne Speicher sind das typisch 50 bis 70 Prozent.
  • Rechne deinen Fall mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin, bevor du kaufst.

Ein Balkonkraftwerk mit zwei Modulen von zusammen etwa 880 Watt Peak und einem 800-Watt-Wechselrichter liefert in Deutschland grob 500 bis 850 Kilowattstunden im Jahr. Der obere Wert gilt für ein nach Süden geneigtes, unverschattetes Modul, der untere für ein senkrecht am Geländer hängendes oder nach Osten oder Westen ausgerichtetes. Norden halbiert den Ertrag, Schatten kostet überproportional. Für dein Geld zählt davon nur der Anteil, den du im Moment der Erzeugung selbst verbrauchst, ohne Speicher typisch 50 bis 70 Prozent.

Erträge nach Ausrichtung und Neigung

Alle Werte sind Näherungen für Deutschland bei freier Sicht auf den Himmel. Grundlage sind die Strahlungsdaten des europäischen Rechenwerkzeugs PVGIS und des Deutschen Wetterdienstes sowie die Modellrechnungen der HTW Berlin; wir rechnen mit einem Systemwirkungsgrad von rund 80 Prozent, der Verluste durch Temperatur, Kabel, Wechselrichter und Verschmutzung einschließt. Der Norden Deutschlands liegt eher am unteren Ende der Spannen, der Süden und der Oberrhein am oberen.

Ausrichtung und Neigung Ertrag je Kilowatt Peak und Jahr Set mit 880 Watt Peak
Süd, 30 Grad geneigt etwa 800 bis 950 kWh etwa 700 bis 850 kWh
Süd, flach (5 bis 10 Grad) etwa 750 bis 900 kWh etwa 650 bis 800 kWh
Süd, senkrecht am Geländer etwa 550 bis 700 kWh etwa 480 bis 620 kWh
Ost oder West, 30 Grad geneigt etwa 650 bis 800 kWh etwa 570 bis 700 kWh
Ost oder West, senkrecht etwa 400 bis 550 kWh etwa 350 bis 480 kWh
Nord, 30 Grad geneigt etwa 450 bis 600 kWh etwa 400 bis 530 kWh
Nord, senkrecht etwa 250 bis 400 kWh etwa 220 bis 350 kWh

Zwei Dinge fallen auf. Erstens kostet die senkrechte Montage am Geländer rund ein Viertel bis ein Drittel des Ertrags gegenüber einer Aufständerung; die Sonne steht im Sommer hoch und trifft ein senkrechtes Modul flach. Eine Halterung mit 20 bis 30 Grad Neigung ist deshalb bei Südbalkonen die wirksamste Einzelmaßnahme. Zweitens ist Ost oder West kein Ausschlusskriterium: Bei leichter Neigung liegt der Ertrag nur 15 bis 20 Prozent unter Süd, und die Erzeugung verteilt sich auf Morgen oder Abend, wenn der Haushalt eher Strom braucht.

Südwest und Südost liegen zwischen den Zeilen der Tabelle, meist näher an Süd. Eine Abweichung von bis zu 45 Grad von Süd kostet bei geneigten Modulen nur wenige Prozent.

Verlauf über das Jahr

Der Ertrag ist stark saisonal. Für ein nach Süden geneigtes Modul verteilt sich das Jahr nach langjährigen Strahlungsmitteln grob so:

Zeitraum Anteil am Jahresertrag
Dezember bis Februar etwa 10 Prozent
März bis Mai etwa 33 Prozent
Juni bis August etwa 38 Prozent
September bis November etwa 19 Prozent

Ein guter Junimonat bringt etwa sechs- bis siebenmal so viel wie der Dezember. Bei senkrechten Modulen ist der Unterschied kleiner, grob vier zu eins: Die tiefe Wintersonne trifft sie günstiger, Schnee bleibt nicht liegen, dafür fehlt im Sommer der Ertrag der Mittagsstunden. Für die Planung heißt das: Rechne mit Monatswerten, nicht mit dem Jahresmittel, wenn du abschätzen willst, was die Anlage im Winter für Kühlschrank und Router beiträgt.

Von April bis September läuft ein 800-Watt-Set an klaren Tagen mehrere Stunden nahe seiner Maximalleistung und deckt mittags die Grundlast der meisten Haushalte vollständig. Von November bis Januar liegt die Tagesleistung oft nur bei 200 bis 500 Wattstunden, an trüben Tagen deutlich darunter.

Schatten: der häufigste Ertragskiller

Verschattung wirkt nicht proportional zur verdeckten Fläche. Die Zellen eines Moduls sind in Reihe geschaltet; eine verschattete Zelle bremst den ganzen Strang, bis die Bypass-Diode ihn überbrückt. Ein einzelner Geländerstab, der am Nachmittag über die untere Zellreihe wandert, kann die Modulleistung für diese Zeit halbieren. Mittagsschatten wiegt am schwersten, weil dann die meiste Energie ankommt.

Praktische Regeln:

  • Beobachte den Balkon an einem klaren Tag im Winter und einem im Sommer. Die Sonne steht im Dezember rund 45 Grad tiefer als im Juni; was im Juni frei ist, kann im Winter hinter dem Nachbarhaus liegen.
  • Montiere Module, wenn möglich, vor dem Geländer, nicht dahinter. Gitterstäbe, Brüstungen und Blumenkästen vor dem Modul kosten mehr, als die Tabelle oben abbildet.
  • Nutze einen Wechselrichter mit einem eigenen Eingang je Modul; die meisten 800-Watt-Mikrowechselrichter haben zwei oder vier. Dann zieht ein verschattetes Modul das andere nicht mit herunter.
  • Bäume werfen im Sommer dichten Schatten, im Winter kaum. Ein Baum südlich des Balkons kann den Sommerertrag stärker drücken, als die Winterbilanz vermuten lässt.

800 Watt Wechselrichter und Überbelegung

Der Wechselrichter begrenzt die Leistung ins Hausnetz auf 800 Watt, die Module dürfen bis 2.000 Watt Peak haben. Bei zwei Modulen mit zusammen 880 Watt Peak kappt der Wechselrichter so gut wie nie: Module erreichen ihre Nennleistung nur bei kalten, klaren Bedingungen mit senkrechter Einstrahlung. Bei vier Modulen mit 1.600 bis 1.800 Watt Peak riegelt er an sonnigen Mittagen ab, der Jahresertrag steigt dennoch deutlich, nach den gängigen Modellrechnungen grob um 60 bis 80 Prozent statt der rechnerischen 100, weil die Anlage morgens, abends, bei Wolken und im Winter länger nahe der 800-Watt-Grenze läuft. Überbelegung lohnt sich damit fast immer, wenn Platz, Halterung und das Budget es hergeben.

Eigenverbrauchsanteil: der Teil, der zählt

Der Eigenverbrauchsanteil ist der Anteil des erzeugten Stroms, den dein Haushalt im Moment der Erzeugung verbraucht. Der Rest fließt ins Netz, ohne Zweirichtungszähler und Vergütungsvertrag ohne Gegenleistung. Ohne Speicher liegt der Anteil bei typischen Haushalten zwischen 50 und 70 Prozent; die Modellrechnungen der HTW Berlin zeigen, dass er mit steigender Anlagenleistung sinkt und mit steigendem Tagesverbrauch steigt.

Was den Anteil nach oben bringt: eine Grundlast von Kühlschrank, Gefriertruhe, Router und Standby von meist 100 bis 300 Watt, Anwesenheit am Tag, Homeoffice, Wasch- und Spülmaschine mit Startzeit um die Mittagszeit. Was ihn senkt: ein Einpersonenhaushalt, der tagsüber außer Haus ist, vier Module statt zwei, ein sehr niedriger Jahresverbrauch. Die Zahlen für deinen Haushalt gibt der Simulator aus, wenn du Jahresverbrauch und Anwesenheit einträgst.

Für die Ersparnis multiplizierst du Jahresertrag, Eigenverbrauchsanteil und Strompreis: 700 Kilowattstunden mal 60 Prozent mal 37 Cent sind rund 155 Euro im Jahr. Die vollständige Rechnung mit Anschaffung und Amortisation steht im Guide zu den Kosten.

So misst du Ertrag und Eigenverbrauch

Drei Wege, vom einfachsten zum genauesten:

  • App des Wechselrichters: Die meisten Mikrowechselrichter melden Leistung und Tagesertrag per WLAN. Das ist bequem, misst aber nur die Erzeugung, nicht den Eigenverbrauch.
  • Zwischenstecker-Messgerät: Zwischen Wechselrichterstecker und Steckdose misst es die eingespeiste Energie. Achte darauf, dass das Gerät für Rückspeisung ausgelegt ist; viele einfache Steckdosenmessgeräte zeigen bei umgekehrter Stromrichtung nichts oder falsche Werte an.
  • Zweirichtungszähler: Eine moderne Messeinrichtung zeigt im Register 1.8.0 den Netzbezug und im Register 2.8.0 die Einspeisung. Eigenverbrauch ist dann Erzeugung aus der App oder dem Zwischenstecker minus Einspeisung aus dem Register 2.8.0.

Ein Monat Messung im Sommer und einer im Winter reichen, um die Jahresrechnung zu prüfen. Weicht der Ertrag mehr als ein Viertel von der Tabelle ab, liegt es meist an Schatten, an einem zu niedrig eingestellten Wechselrichter oder an einem verschmutzten Modul.

Rechne mit dem Simulator der HTW Berlin

Der Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ist das Werkzeug, das wir für die Planung empfehlen. Er fragt Standort, Ausrichtung, Neigung, Modulleistung, Wechselrichterleistung, Jahresverbrauch und Anwesenheit ab und gibt Jahresertrag, Eigenverbrauchsanteil, Ersparnis und Amortisation aus. Die Rechnung beruht auf gemessenen Lastprofilen und Wetterdaten; sie ist belastbarer als jede Pauschaltabelle, auch als die oben.

Trage dort die realistische Montage ein, also senkrecht, wenn du senkrecht montierst, und teste anschließend, was eine Aufständerung oder ein drittes und viertes Modul ändern würde. Die Differenz zeigt dir, ob sich die bessere Halterung lohnt.

Nächste Schritte

Mit dem Ertrag steht der wichtigste Eingabewert der Wirtschaftlichkeit fest:

Häufige Fragen

Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt pro Tag?

Im Jahresmittel etwa 1,5 bis 2,5 Kilowattstunden je Tag, an einem klaren Sommertag 4 bis 5, an einem trüben Dezembertag oft unter 0,5. Die Spanne hängt von Ausrichtung und Neigung ab.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk nach Osten oder Westen?

Meist ja. Bei 30 Grad Neigung liegt der Ertrag etwa 15 bis 20 Prozent unter Süd, senkrecht am Geländer deutlich mehr darunter. Der Eigenverbrauchsanteil ist morgens beziehungsweise abends oft höher, was einen Teil ausgleicht.

Was bringt ein Balkonkraftwerk im Winter?

Wenig. Dezember und Januar liefern je etwa zwei bis drei Prozent des Jahresertrags. Senkrechte Module schneiden im Winter etwas besser ab, weil die tiefe Sonne flacher auftrifft und kein Schnee liegen bleibt.

Begrenzt der 800-Watt-Wechselrichter den Ertrag?

Bei zwei Modulen praktisch nicht; 800 Watt werden nur an wenigen Stunden im Jahr erreicht. Bei vier Modulen kappt er mittags, der Jahresertrag steigt trotzdem deutlich, weil Randstunden und Winter profitieren.

Wie messe ich den Ertrag meines Balkonkraftwerks?

Mit einem Zwischenstecker-Messgerät, das Einspeisung erfassen kann, mit der App des Wechselrichters oder über das Einspeiseregister 2.8.0 eines Zweirichtungszählers. Eigenverbrauch ist Erzeugung minus Einspeisung.

Wie stark schaden Schatten dem Ertrag?

Überproportional. Ein Geländerstab, der nur wenige Zellen verschattet, kann die Leistung eines Moduls für die Dauer des Schattens halbieren. Schatten am Mittag wiegt schwerer als Schatten am frühen Morgen oder späten Abend.

Quellen

  1. HTW Berlin: Stecker-Solar-Simulator Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, abgerufen am 03.11.2026
  2. PVGIS: Photovoltaic Geographical Information System Europäische Kommission, Joint Research Centre, abgerufen am 03.11.2026
  3. Deutscher Wetterdienst: Globalstrahlung in Deutschland Deutscher Wetterdienst, abgerufen am 03.11.2026
  4. Verbraucherzentrale: Erneuerbare Energien Verbraucherzentrale Bundesverband, abgerufen am 03.11.2026

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