Balkonkraftwerk

Stecker-Solar-Simulator: Ertrag online berechnen, mit PVGIS-Tabellen

So nutzt du den Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin und PVGIS, warum die Ergebnisse abweichen und welche Erträge 400 bis 2.000 Wp an deinem Standort liefern.

Von Voltgeber Redaktion Aktualisiert Zuletzt geprüft 22 Min. Lesezeit Gilt für DeutschlandÖsterreichSchweiz
Stecker-Solar-Simulator: Ertrag online berechnen, mit PVGIS-Tabellen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin rechnet mit gemessenen Wetterdaten eines einzigen Jahres, 2017, vom DWD-Observatorium Lindenberg in Brandenburg; einen Standort fragt er nicht ab.
  • In den Standardeinstellungen liefert ein 800-Wp-Set mit 800-Watt-Wechselrichter senkrecht nach Süden im Simulator 552 kWh im Jahr, ein 400-Wp-Modul 276 kWh.
  • Laut PVGIS lag 2017 in Lindenberg rund 9 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2005 bis 2023; Simulator-Werte für Südmodule fallen deshalb etwas niedriger aus als PVGIS-Mittelwerte.
  • Nach unseren PVGIS-Abfragen erzeugt ein 800-Wp-Set in Mitteldeutschland je nach Montage rund 420 kWh (Ost oder West senkrecht) bis 820 kWh (Süd, 30 Grad).
  • Mit 2.000 Wp an einem 800-Watt-Wechselrichter steigt der Ertrag nach Süden mit 30 Grad auf rund 1.650 kWh; rund ein Fünftel der möglichen Erzeugung wird mittags abgeregelt.
  • Zwischen Hamburg und München liegen bei geneigten Südmodulen rund 16 Prozent Ertragsunterschied, bei senkrechten Modulen rund 15 Prozent.

Der Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin rechnet in vier Schritten aus, wie viel Strom ein Balkonkraftwerk erzeugt, wie viel davon du selbst nutzt und wann es sich bezahlt macht. Er nutzt die Wetterdaten eines einzigen Jahres, 2017, aus Lindenberg in Brandenburg und fragt keinen Standort ab. Ein 800-Wp-Set senkrecht nach Süden kommt dort auf 552 kWh. Für deinen Standort ergänzen PVGIS und unsere Tabellen unten die Rechnung.

Was der Stecker-Solar-Simulator ist

Der Stecker-Solar-Simulator ist eine kostenlose Web-App der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Sie entstand im Forschungsprojekt PV.plug-inTools, gefördert vom Institut für angewandte Forschung Berlin. Ziel ist laut Dokumentation, die solare Eigenversorgung eines Haushalts mit Steckersolargeräten und steckbaren Speichern abzuschätzen und die wirtschaftlichen Kennwerte gleich mitzuliefern.

Hinter der einfachen Oberfläche steckt viel Rechenarbeit. Die HTW hat nach eigener Angabe mehr als 17 Millionen Systemkonfigurationen in Minutenauflösung über ein ganzes Jahr simuliert und die Ergebnisse auf die Betriebsjahre hochgerechnet. Die Web-App rechnet also nicht live, sondern schlägt in diesen vorab berechneten Ergebnissen nach und interpoliert zwischen ihnen. Deshalb reagiert sie sofort auf jede Eingabe.

Die Grundlage hat zwei Teile. Für das Wetter nutzt der Simulator Messwerte des meteorologischen Observatoriums Lindenberg des Deutschen Wetterdienstes aus dem Jahr 2017, mit einer Globalstrahlung von 1.062 Kilowattstunden pro Quadratmeter und einer mittleren Lufttemperatur von rund 10 Grad. Für den Verbrauch nutzt er 41 gemessene Jahreslastprofile von Wohnungen und Einfamilienhäusern mit 750 bis 6.230 Kilowattstunden im Jahr. Diese Lastprofile sind die eigentliche Stärke des Werkzeugs: Sie zeigen, wie viel Solarstrom ein Haushalt tatsächlich in dem Moment verbraucht, in dem er erzeugt wird.

Die Dokumentation in Version 3.0 vom Mai 2024 nennt die Grenzen der Eingaben: Modulleistung 400 bis 2.000 Watt Peak, Wechselrichter 300 bis 800 Watt, Speicher bis 3.000 Wattstunden, Haushaltsverbrauch 500 bis 5.500 Kilowattstunden, Neigung 0 bis 90 Grad, Strompreis 25 bis 45 Cent und Betrachtungszeitraum bis 20 Jahre. Was außerhalb liegt, kann die App nicht abbilden.

So benutzt du den Simulator Schritt für Schritt

Die App führt durch vier Eingabeseiten und zeigt dann zwei Varianten nebeneinander. Die Standardwerte in der folgenden Anleitung haben wir am 4. November 2026 abgelesen.

  1. Stromverbrauch eintragen. Wähle Wohnung oder Einfamilienhaus und die Zahl der Personen, oder trage deinen Jahresverbrauch direkt ein. Voreingestellt sind 2.100 Kilowattstunden, laut Dokumentation der mittlere Verbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts in der Wohnung. Den genauen Wert findest du auf der letzten Jahresabrechnung.

  2. Montage wählen. Drei Symbole setzen die Neigung: Balkon oder Wand mit 90 Grad, Schrägdach mit 45 Grad, Aufständerung mit 30 Grad. Den Anstellwinkel kannst du in 5-Grad-Schritten anpassen. Ein Schieberegler setzt die Ausrichtung in acht Himmelsrichtungen, von Nord über West, Süd und Ost wieder bis Nord.

  3. Verschattung angeben. Zur Wahl stehen keine, leichte, mittlere und starke Verschattung. Was die Stufen bedeuten, erklärt der Abschnitt zur Verschattung weiter unten; ehrlich gewählt, verändert diese Angabe das Ergebnis stärker als jede andere.

  4. Wirtschaftliche Angaben prüfen. Voreingestellt sind ein Netzbezugspreis von 33 Cent je Kilowattstunde, keine jährliche Preisänderung und ein Betrachtungszeitraum von 15 Jahren. Trage deinen Arbeitspreis ohne Grundpreis ein. Hier schaltest du auch einen Speicher hinzu und entscheidest, ob Ersatzkosten für Wechselrichter und Speicher eingerechnet werden.

  5. Zwei Systeme festlegen. Die App vergleicht zwei Varianten. Voreingestellt sind 400 Watt Peak mit 400-Watt-Wechselrichter für 470 Euro und 800 Watt Peak mit 800-Watt-Wechselrichter für 770 Euro. Trage Modulleistung, Wechselrichterleistung und, wenn du ein Angebot hast, den tatsächlichen Preis ein; sonst schätzt die App den Preis über eine Kostenfunktion.

  6. Ergebnisse lesen und variieren. Ändere einzelne Werte und beobachte, wie sich Erzeugung, vermiedener Netzbezug und Amortisation verschieben. So findest du heraus, welche Annahme dein Ergebnis trägt.

Ein Hinweis zur Systemauswahl: Die Kostenfunktion beruht laut Dokumentation auf einer Regression von Marktpreisen der Website machdeinenstrom.de und rechnet den Wechselrichter mit einem Drittel der Gesamtkosten. Marktpreise haben sich seit 2024 bewegt. Mit dem echten Preis aus deinem Angebot wird die Amortisation deutlich genauer; was Sets im November 2026 kosten, steht im Guide zu den Kosten.

Was die Ergebnisse bedeuten

Der Simulator zeigt für jede Variante zehn Kennzahlen. Die ersten vier beschreiben die Energie, die übrigen das Geld und das Klima.

Stromerzeugung pro Jahr ist der Ertrag auf der Wechselstromseite, nach den Verlusten im Wechselrichter. Das ist die Zahl, die du später in der App deines Wechselrichters wiederfindest. Vermiedener Strombezug ist der Teil davon, den dein Haushalt direkt verbraucht oder über einen Speicher später nutzt. Nur dieser Teil spart Geld.

Nutzungsgrad ist der Anteil der Erzeugung, den du selbst nutzt, also vermiedener Bezug geteilt durch Erzeugung. Andere Rechner nennen das Eigenverbrauchsanteil. Selbstversorgung ist der Anteil deines Jahresverbrauchs, den die Anlage deckt, anderswo Autarkiegrad genannt.

Die Geldwerte bauen darauf auf. Jährliche Ersparnis ist vermiedener Bezug mal Strompreis, die Ersparnis während der Betriebszeit dieser Wert mal Betrachtungszeitraum, die Bilanz zieht die Investition ab. Stromgestehungskosten sind die Gesamtkosten geteilt durch die genutzte Energie, die Amortisationszeit der Zeitpunkt, ab dem die Ersparnis die Investition übersteigt. Laut Dokumentation rechnet die App mit 0,3 Prozent Moduldegradation pro Jahr.

In den Standardeinstellungen, also 2.100 Kilowattstunden Verbrauch, senkrecht nach Süden, keine Verschattung und 33 Cent, ergab der Simulator am 4. November 2026 folgendes Bild. Das 400-Wp-Modul erzeugt 276 Kilowattstunden, davon nutzt der Haushalt 209, ein Nutzungsgrad von 76 Prozent und eine Selbstversorgung von 10 Prozent; die Ersparnis liegt bei 69 Euro im Jahr. Das 800-Wp-Set mit 800-Watt-Wechselrichter erzeugt 552 Kilowattstunden, genutzt werden 311, ein Nutzungsgrad von 56 Prozent bei 15 Prozent Selbstversorgung und 102 Euro Ersparnis. Mit den hinterlegten Preisen amortisiert sich das kleine Set nach sieben Jahren, das große nach acht.

Ergebnisse für 400 bis 2.000 Wp

Wir haben den Simulator für Südausrichtung, 2.100 Kilowattstunden Verbrauch und keine Verschattung mit sechs Anlagengrößen gerechnet, jeweils für eine Aufständerung mit 30 Grad und für senkrechte Montage am Geländer. Ab 800 Wp ist ein 800-Watt-Wechselrichter eingestellt.

Module / Wechselrichter 30 Grad: Erzeugung 30 Grad: vermiedener Bezug 90 Grad: Erzeugung 90 Grad: vermiedener Bezug
400 Wp / 400 W 395 kWh 270 kWh 276 kWh 209 kWh
800 Wp / 800 W 791 kWh 384 kWh 552 kWh 311 kWh
1.000 Wp / 800 W 983 kWh 425 kWh 693 kWh 349 kWh
1.200 Wp / 800 W 1.144 kWh 458 kWh 829 kWh 381 kWh
1.600 Wp / 800 W 1.380 kWh 507 kWh 1.053 kWh 431 kWh
2.000 Wp / 800 W 1.556 kWh 543 kWh 1.219 kWh 469 kWh

Die Tabelle zeigt das Grundmuster jedes Balkonkraftwerks. Die Erzeugung wächst fast im Verhältnis zur Modulleistung, der vermiedene Bezug deutlich langsamer. Von 800 auf 2.000 Wp verdoppelt sich die Erzeugung an der Südaufständerung, der genutzte Strom steigt aber nur um gut 40 Prozent. Der Rest fließt ins Netz, solange kein Speicher ihn aufnimmt.

Wie stark der Verbrauch mitspielt, zeigt eine zweite Rechnung mit dem senkrechten 800-Wp-Set. Bei 1.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch nutzt der Haushalt 255 Kilowattstunden, bei 2.100 sind es 311, bei 3.000 sind es 381 und bei 4.000 sind es 442. Die Erzeugung bleibt bei 552 Kilowattstunden. Ein größerer Haushalt hat mehr Grundlast und mehr Verbraucher, die zur Mittagszeit laufen, und schöpft deshalb mehr vom Solarstrom ab.

Verschattung im Simulator

Der Simulator bildet Verschattung vereinfacht ab. Laut Dokumentation bleibt die direkte Sonnenstrahlung je nach Stufe unberücksichtigt, solange die Sonne niedriger steht als 25 Grad bei leichter, 35 Grad bei mittlerer und 45 Grad bei starker Verschattung. Das entspricht einer Mauer oder einem gegenüberliegenden Gebäude vor dem Modul: Je höher das Hindernis, desto später am Tag und desto später im Jahr erreicht direktes Licht die Module. Die diffuse Strahlung vom Himmel kommt weiter an.

Verschattung (Sonnenhöhe ohne Direktlicht) 800 Wp: Erzeugung 800 Wp: vermiedener Bezug 2.000 Wp: Erzeugung 2.000 Wp: vermiedener Bezug
keine 552 kWh 311 kWh 1.219 kWh 469 kWh
leicht (unter 25 Grad) 442 kWh 259 kWh 1.002 kWh 412 kWh
mittel (unter 35 Grad) 382 kWh 236 kWh 884 kWh 390 kWh
stark (unter 45 Grad) 311 kWh 211 kWh 748 kWh 368 kWh

Gerechnet mit senkrechten Südmodulen, 2.100 Kilowattstunden Verbrauch und 800-Watt-Wechselrichter.

Starke Verschattung kostet das 800-Wp-Set 44 Prozent der Erzeugung, aber nur 32 Prozent des genutzten Stroms. Der Grund: Verschattet sind vor allem die Morgen- und Abendstunden und das Winterhalbjahr, die Mittagsstunden im Sommer bleiben frei. Die Mittagsspitze im Sommer fließt ohnehin zum großen Teil ins Netz. Verschattung ist deshalb kein Ausschlusskriterium, aber ein Grund, die Erwartungen vor dem Kauf ehrlich einzustellen.

Wie du deine Stufe wählst: Stell dich an den geplanten Montageort und schätze den Winkel zur Oberkante des Hindernisses. Ein Haus gegenüber, das in 20 Metern Abstand 15 Meter höher ist als dein Balkon, erscheint unter gut 35 Grad. Das entspricht der mittleren Stufe. Bäume, Balkonbrüstungen und Geländerstäbe direkt vor dem Modul bildet der Simulator nicht ab; sie wirken oft stärker, weil sie einzelne Zellen ganz abdecken.

PVGIS: der Rechner für deinen Standort

Das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) ist ein kostenloses Werkzeug des Joint Research Centre der Europäischen Kommission. Es berechnet für jeden Ort in Europa, wie viel eine PV-Anlage mit gegebener Leistung, Neigung und Ausrichtung im Mittel erzeugt. Grundlage ist in Version 5.3 die Satellitendatenbank SARAH3 mit Strahlungsdaten der Jahre 2005 bis 2023 in einer Auflösung von etwa fünf Kilometern.

PVGIS ist kein Balkonkraftwerk-Rechner. Es kennt weder deinen Verbrauch noch die 800-Watt-Grenze des Wechselrichters, sondern rechnet die Erzeugung so, als könne die Anlage jede Leistung abgeben. Für Sets bis etwa 1.000 Wp spielt das kaum eine Rolle, für Sets mit vier Modulen sehr wohl. Unsere Tabellen weiter unten berücksichtigen die Grenze.

  1. PVGIS öffnen und Anlage wählen. Unter re.jrc.ec.europa.eu öffnest du das Werkzeug und wählst den Reiter für netzgekoppelte Anlagen.

  2. Standort setzen. Adresse eingeben oder in der Karte klicken. Die Option für den berechneten Horizont bleibt aktiviert; sie berücksichtigt laut Handbuch den Schatten von Hügeln und Bergen. Häuser und Bäume vor deinem Balkon musst du selbst einschätzen.

  3. Technik und Verluste eintragen. Kristallines Silizium wählen. Das Handbuch nennt zusätzlich eine Variante, die auf neueren Modulen von 2025 kalibriert ist und rund 2 bis 3 Prozent mehr Ertrag liefert. Die Leistung trägst du in kWp ein, also 0,8 für 800 Wp, die Systemverluste mit 14 Prozent.

  4. Montage beschreiben. Für Module am Geländer oder auf einer Aufständerung wählst du die freistehende Montage, weil Luft hinter den Modulen zirkuliert. Neigung in Grad eintragen: 90 für senkrecht.

  5. Azimut richtig eintragen. PVGIS zählt von Süden aus: 0 ist Süd, minus 90 Ost, plus 90 West, 180 Nord. Ein Südwestbalkon hat plus 45.

  6. Ergebnis lesen. PVGIS zeigt Jahresertrag, Monatswerte und die Schwankung von Jahr zu Jahr. Für Sets über 1.000 Wp an einem 800-Watt-Wechselrichter ziehst du die Abregelung ab, wie in der Tabelle unten gezeigt.

Die 14 Prozent Systemverluste sind der Vorschlag von PVGIS und stehen laut Handbuch für Kabel, Wechselrichter, Verschmutzung, gelegentlich Schnee und die Alterung der Module über die Jahre. Unser Guide zum Ertrag eines Balkonkraftwerks rechnet mit denselben PVGIS-Einstellungen, seine Tabellen passen also zu denen hier. Wer selbst mit höheren Verlusten rechnet, sollte die Ergebnisse nicht mit Tabellen auf 14-Prozent-Basis vermischen.

Warum Simulator und PVGIS unterschiedliche Zahlen liefern

Wer beide Werkzeuge ausprobiert, bekommt für dasselbe Set verschiedene Ergebnisse. Wir haben die Ursachen mit eigenen PVGIS-Abfragen für den Standort Lindenberg geprüft, an dem die Wetterdaten des Simulators gemessen wurden. Alle Werte gelten für 800 Wp an einem 800-Watt-Wechselrichter, PVGIS mit 14 Prozent Systemverlusten.

Montage HTW-Simulator PVGIS Lindenberg, nur 2017 PVGIS Lindenberg, Mittel 2005 bis 2023 PVGIS Berlin, Mittel 2005 bis 2023
Süd, 30 Grad 791 kWh 776 kWh 852 kWh 833 kWh
Süd, senkrecht 552 kWh 548 kWh 619 kWh 606 kWh
West, senkrecht 458 kWh 383 kWh 424 kWh 412 kWh
Nord, 30 Grad 523 kWh 461 kWh 475 kWh 466 kWh

Vier Ursachen erklären die Abweichungen.

Ein einziges, schwaches Jahr. Für Südmodule liegt der Simulator fast genau auf dem PVGIS-Wert für Lindenberg im Jahr 2017, die Abweichung beträgt 1 bis 2 Prozent. Laut PVGIS war 2017 dort aber kein durchschnittliches Jahr: Ein Südmodul mit 30 Grad erzeugte rund 9 Prozent weniger als im Mittel 2005 bis 2023, ein senkrechtes Südmodul rund 11 Prozent weniger. Wer den Simulator nutzt, rechnet also mit einem eher schlechten Jahr. Das ist eine vorsichtige Annahme, aber kein Mittelwert.

Ein fester Standort. Lindenberg liegt in Brandenburg. Für Hamburg passt das gut, für München, Freiburg, Wien oder Zürich liegt der tatsächliche Ertrag 10 bis 20 Prozent höher. Den Standortunterschied zeigt die Tabelle mit Standortfaktoren weiter unten.

Ein anderes Strahlungsmodell. Für West- und Nordausrichtungen rechnet der Simulator 10 bis 20 Prozent mehr als PVGIS für dasselbe Jahr. Laut Dokumentation berechnet er die Strahlung auf die geneigte Fläche mit dem Modell nach Klucher aus gemessener Global- und Diffusstrahlung. Wie stark ein Modell das diffuse Himmelslicht auf steile, nicht nach Süden zeigende Flächen gewichtet, macht bei solchen Ausrichtungen viel aus. Welches Modell näher an der Wirklichkeit liegt, lässt sich ohne Messungen am konkreten Balkon nicht entscheiden.

Wechselrichter und Zeitauflösung. Der Simulator bildet den Wirkungsgrad eines realen Mikrowechselrichters lastabhängig ab und rechnet in Minuten. Kurze Leistungsspitzen über 800 Watt werden so genauer abgeschnitten. PVGIS setzt pauschale 14 Prozent Verluste an, und Stundenwerte glätten Spitzen. Bei 2.000 Wp nach Süden mit 30 Grad liefert der Simulator deshalb 1.556 Kilowattstunden, unsere PVGIS-Stundenrechnung für Mitteldeutschland rund 1.650.

Für die Praxis heißt das: Nutze den Simulator für den Eigenverbrauch und die Wirtschaftlichkeit, weil er dort mit gemessenen Lastprofilen rechnet. Nutze PVGIS oder die Tabellen unten für die Erzeugung an deinem Standort. Wer beides kombiniert, nimmt den Nutzungsgrad aus dem Simulator und multipliziert ihn mit der PVGIS-Erzeugung; bei höherer Erzeugung sinkt der Nutzungsgrad allerdings etwas, die Rechnung bleibt eine Näherung.

Ertragstabellen: unser Rechner zum Nachschlagen

Voltgeber bleibt ohne interaktiven Rechner, damit die Seiten schnell laden. Die folgenden vier Tabellen ersetzen ihn: Mit ihnen schlägst du den Jahresertrag für jede übliche Kombination aus Modulleistung, Ausrichtung, Neigung und Standort nach. Alle Werte stammen aus eigenen Abfragen bei PVGIS 5.3 vom 4. November 2026 mit kristallinen Modulen, 14 Prozent Systemverlusten, freistehender Montage und berechnetem Geländehorizont. Verschattung durch Gebäude ist nicht enthalten.

Tabelle 1: Ertrag pro kWp nach Ausrichtung und Neigung

Die Basistabelle zeigt den Jahresertrag je Kilowatt Peak für Mitteldeutschland (51° N, 10° O), Mittel der Jahre 2005 bis 2023. Für ein 800-Wp-Set multiplizierst du mit 0,8.

Ausrichtung 15 Grad 30 Grad 45 Grad 60 Grad 90 Grad (senkrecht)
Süd 977 kWh 1.029 kWh 1.029 kWh 978 kWh 727 kWh
Südost oder Südwest 946 kWh 976 kWh 964 kWh 909 kWh 679 kWh
Ost oder West 867 kWh 841 kWh 796 kWh 726 kWh 520 kWh
Nord 743 kWh 602 kWh 464 kWh 348 kWh 198 kWh

Flach liegende Module (0 Grad) kommen auf 879 Kilowattstunden je kWp. Südost und Südwest sowie Ost und West liegen jeweils so nah beieinander, dass wir sie zusammenfassen; die Unterschiede betragen in Mitteldeutschland weniger als 1 Prozent.

Drei Muster lassen sich ablesen. Nach Süden ist der Bereich von 30 bis 45 Grad optimal, senkrecht verliert ein Modul rund 30 Prozent. Nach Osten oder Westen ist eine flache Neigung besser als eine steile. Nach Norden lohnt sich ein Modul nur flach; senkrecht nach Norden liefert es weniger als ein Fünftel des Südoptimums.

Tabelle 2: Jahresertrag von 400 bis 2.000 Wp mit 800-Watt-Wechselrichter

Diese Tabelle ist der Kern des Nachschlagerechners. Sie zeigt den Jahresertrag in Kilowattstunden für Mitteldeutschland, abhängig von Modulleistung, Ausrichtung und Neigung. Ab 1.000 Wp ist die Abregelung durch einen 800-Watt-Wechselrichter berücksichtigt; wir haben sie aus PVGIS-Stundenwerten der Jahre 2014 bis 2023 berechnet und auf die Mittelwerte 2005 bis 2023 übertragen.

Ausrichtung und Neigung 400 Wp 800 Wp 1.200 Wp 1.600 Wp 2.000 Wp
Süd, 15 Grad 390 kWh 780 kWh 1.160 kWh 1.440 kWh 1.630 kWh
Süd, 30 Grad 410 kWh 820 kWh 1.210 kWh 1.470 kWh 1.650 kWh
Süd, 60 Grad 390 kWh 780 kWh 1.150 kWh 1.390 kWh 1.560 kWh
Süd, senkrecht 290 kWh 580 kWh 870 kWh 1.110 kWh 1.290 kWh
Südost oder Südwest, 30 Grad 390 kWh 780 kWh 1.150 kWh 1.410 kWh 1.590 kWh
Südost oder Südwest, 60 Grad 360 kWh 730 kWh 1.070 kWh 1.300 kWh 1.470 kWh
Südost oder Südwest, senkrecht 270 kWh 540 kWh 810 kWh 1.030 kWh 1.190 kWh
Ost oder West, 15 Grad 350 kWh 690 kWh 1.040 kWh 1.320 kWh 1.520 kWh
Ost oder West, 30 Grad 340 kWh 670 kWh 1.000 kWh 1.260 kWh 1.450 kWh
Ost oder West, 60 Grad 290 kWh 580 kWh 870 kWh 1.080 kWh 1.250 kWh
Ost oder West, senkrecht 210 kWh 420 kWh 620 kWh 800 kWh 940 kWh
Nord, 30 Grad 240 kWh 480 kWh 720 kWh 960 kWh 1.190 kWh
Nord, senkrecht 80 kWh 160 kWh 240 kWh 320 kWh 400 kWh

Werte auf 10 Kilowattstunden gerundet. Für Zwischengrößen wie 900 oder 1.800 Wp liest du zwischen den Spalten ab.

Die Abregelung kostet je nach Ausrichtung sehr unterschiedlich viel. Bei 2.000 Wp nach Süden mit 30 Grad gehen im Stundenmittel rund 20 Prozent der möglichen Erzeugung verloren, bei senkrechten Südmodulen rund 11 Prozent, bei senkrechten Ost- oder Westmodulen 9 bis 10 Prozent und nach Norden praktisch nichts. Trotzdem verdoppelt sich der Ertrag von 800 auf 2.000 Wp in allen Ausrichtungen ungefähr, weil die Module morgens, abends, bei Wolken und im Winter länger nahe der Grenze arbeiten. Stundenwerte glätten kurze Spitzen; der tatsächliche Verlust durch Abregelung liegt deshalb bei großen Südanlagen etwas höher, wie der Vergleich mit dem minutengenauen Simulator zeigt.

Ab 960 Wp sieht die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 laut DKE-Normauslegung vom Dezember 2025 keinen Schuko-Stecker mehr vor, sondern einen speziellen Einspeisestecker. Was das für Sets mit drei oder vier Modulen bedeutet, steht im Guide zum Balkonkraftwerk mit 2.000 Watt.

Tabelle 3: Standortfaktoren für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Die Werte der Tabellen 1 und 2 gelten für die Mitte Deutschlands. Für deinen Standort nimmst du die passende Zeile dieser Tabelle. Sie zeigt den Jahresertrag je kWp für drei typische Balkonsituationen und einen Faktor, mit dem du die Werte für geneigte Module umrechnest.

Standort Süd, 30 Grad Süd, senkrecht Südost oder Südwest, senkrecht Ost oder West, senkrecht Faktor für geneigte Module
Hamburg 970 kWh 706 kWh 656 kWh 494 kWh 0,94
Berlin 1.041 kWh 758 kWh 701 kWh 523 kWh 1,01
Köln 1.030 kWh 745 kWh 689 kWh 516 kWh 1,00
Mitte Deutschlands 1.029 kWh 727 kWh 679 kWh 520 kWh 1,00
Leipzig 1.070 kWh 776 kWh 716 kWh 533 kWh 1,04
Frankfurt am Main 1.074 kWh 761 kWh 711 kWh 541 kWh 1,04
Stuttgart 1.118 kWh 797 kWh 737 kWh 550 kWh 1,09
München 1.128 kWh 810 kWh 746 kWh 555 kWh 1,10
Freiburg 1.114 kWh 797 kWh 737 kWh 550 kWh 1,08
Wien 1.167 kWh 822 kWh 760 kWh 567 kWh 1,13
Graz 1.211 kWh 880 kWh 799 kWh 578 kWh 1,18
Zürich 1.144 kWh 801 kWh 741 kWh 553 kWh 1,11
Bern 1.232 kWh 884 kWh 813 kWh 603 kWh 1,20
Lugano 1.306 kWh 944 kWh 839 kWh 576 kWh 1,27

Je kWp, Mittel 2005 bis 2023. Der Faktor ist das Verhältnis zum Süd-30-Grad-Wert der Mitte Deutschlands.

Für senkrechte Module weichen die Verhältnisse etwas ab: Hamburg liegt senkrecht nach Süden nur 3 Prozent unter der Mitte Deutschlands, geneigt dagegen 6 Prozent. Nimm für senkrechte Montage deshalb direkt die Spalten dieser Tabelle. Für Alpentäler und Lagen mit häufigem Hochnebel sind Satellitendaten unsicherer; dort lohnt eine eigene PVGIS-Abfrage mit genauer Adresse.

Tabelle 4: Monatswerte für ein 800-Wp-Set

Für die Frage, was das Set im Winter für Kühlschrank und Router beiträgt, helfen Monatswerte. Die Tabelle zeigt drei typische Montagen in Mitteldeutschland, 800 Wp, Mittel 2005 bis 2023.

Monat Süd, 30 Grad Süd, senkrecht West, senkrecht
Januar 24 kWh 27 kWh 9 kWh
Februar 40 kWh 40 kWh 17 kWh
März 72 kWh 60 kWh 35 kWh
April 95 kWh 64 kWh 48 kWh
Mai 104 kWh 57 kWh 55 kWh
Juni 106 kWh 53 kWh 58 kWh
Juli 105 kWh 55 kWh 58 kWh
August 96 kWh 59 kWh 50 kWh
September 80 kWh 62 kWh 40 kWh
Oktober 54 kWh 51 kWh 26 kWh
November 28 kWh 30 kWh 11 kWh
Dezember 20 kWh 24 kWh 7 kWh
Jahr rund 820 kWh rund 580 kWh rund 410 kWh

Ein auffälliges Ergebnis: Von November bis Januar liefert das senkrechte Südmodul mehr als das geneigte. Die tiefe Wintersonne trifft eine senkrechte Fläche fast im rechten Winkel, und Schnee bleibt nicht liegen. Im Sommer ist es umgekehrt, das geneigte Modul erzeugt im Juni doppelt so viel. Das senkrechte Westmodul liefert im Sommer ähnlich viel wie das senkrechte Südmodul, im Winter aber nur ein Drittel.

Senkrecht am Südgeländer liefert ein 800-Wp-Set in Mitteldeutschland rund 580 kWh im Jahr, im Winter sogar etwas mehr als ein um 30 Grad geneigtes Modul.

Rechenbeispiele mit den Tabellen

Beispiel 1, senkrechter Südbalkon in Hamburg. Zwei Module mit zusammen 800 Wp hängen am Geländer. Tabelle 3 nennt für Hamburg senkrecht nach Süden 706 Kilowattstunden je kWp. Mal 0,8 ergibt das rund 565 Kilowattstunden im Jahr. Eine direkte PVGIS-Stundenrechnung für diesen Fall liefert 564 Kilowattstunden. Der Stecker-Solar-Simulator kommt für dieselbe Montage auf 552.

Beispiel 2, vier Module auf dem Garagendach in München. 1.800 Wp nach Süden mit 30 Grad an einem 800-Watt-Wechselrichter. Tabelle 2 nennt für Mitteldeutschland 1.470 Kilowattstunden bei 1.600 Wp und 1.650 bei 2.000 Wp, dazwischen liegen rund 1.560. Der Faktor für München ist 1,10, das ergibt rund 1.710 Kilowattstunden. Zur Kontrolle: Eine PVGIS-Stundenrechnung für München ergibt bei 1.600 Wp 1.606 und bei 2.000 Wp 1.790 Kilowattstunden, also rund 1.700 bei 1.800 Wp. Der Faktor funktioniert auch mit Abregelung.

Beispiel 3, Westbalkon in Wien. Drei Module mit zusammen 1.200 Wp senkrecht nach Westen. Tabelle 2 nennt für Mitteldeutschland 620 Kilowattstunden. Für Wien nimmst du das Verhältnis aus Tabelle 3, 567 zu 520, also rund 1,09. Das ergibt rund 680 Kilowattstunden im Jahr. Bei 1.200 Wp regelt der Wechselrichter in dieser Ausrichtung praktisch nicht ab.

Diese Werte sind Mittelwerte. Von Jahr zu Jahr schwankt der Ertrag laut PVGIS mit einer Standardabweichung von rund 6 Prozent bei geneigten und 7 Prozent bei senkrechten Südmodulen. Ein Jahr mit 10 Prozent weniger ist normal und kein Hinweis auf einen Defekt.

Andere Online-Rechner im Vergleich

Neben Simulator und PVGIS gibt es zahlreiche weitere Rechner. Sie unterscheiden sich vor allem darin, woher ihre Wetterdaten stammen, ob sie den Eigenverbrauch rechnen und ob sie offenlegen, wie sie rechnen.

Werkzeug Standortgenau Wetterdaten Eigenverbrauch berücksichtigt 800-W-Grenze Methode dokumentiert
Stecker-Solar-Simulator (HTW Berlin) nein DWD Lindenberg, 2017 ja, 41 Lastprofile ja, minutengenau ja, PDF-Dokumentation
PVGIS (EU-Kommission) ja Satellit SARAH3, 2005 bis 2023 nein nein ja, Handbuch
Voltgeber-Tabellen (dieser Guide) über Standortfaktor PVGIS, 2005 bis 2023 nein ja, stundengenau ja, in diesem Guide
Balkonkraftwerk-Rechner (co2online) nach Standortangabe nicht angegeben ja nicht angegeben nein
Solarkataster der Länder und Städte ja, je Dachfläche je nach Kataster teilweise nein, für Dachanlagen gebaut je nach Kataster
Sonnendach.ch und Sonnenfassade.ch (CH) ja, je Dach- und Fassadenfläche Schweizer Daten nein nein ja
Ertragsrechner von Herstellern und Händlern meist oft PVGIS, nicht immer angegeben teilweise unterschiedlich selten

Der Balkonkraftwerk-Rechner von co2online fragt laut eigener Beschreibung nur wenige Angaben zu Standort, Ausrichtung und Verbrauch ab und verspricht eine Prognose zu Kosten, Ersparnis und Amortisation. Welche Wetterdaten und Annahmen dahinterstehen, legt die Seite nicht offen; die Ergebnisse lassen sich deshalb schwer prüfen.

Solarkataster wie das Solarkataster NRW zeigen für jedes Dach, wie gut es sich für Photovoltaik eignet, oft mit Ertragsprognose. Für Dachanlagen sind sie ein guter Startpunkt, für Balkone und Geländer meist nicht, weil sie Fassaden selten abbilden. In der Schweiz ist das anders: Das Bundesamt für Energie bietet neben sonnendach.ch auch sonnenfassade.ch, das die Eignung von Fassaden bewertet, und damit auch von Flächen, an denen Balkonmodule hängen.

Rechner von Herstellern und Händlern sind nicht wertlos, verfolgen aber ein Verkaufsinteresse. Prüfe, ob sie Systemverluste, Wechselrichtergrenze und Verschattung offenlegen, und vergleiche ihr Ergebnis mit Tabelle 2. Liegt ein Händlerrechner deutlich mehr als 10 Prozent über den Tabellen, frag nach den Annahmen. Für Dachanlagen bietet die HTW Berlin mit dem Solarisator ein eigenes Werkzeug; den Ertrag größerer Anlagen zeigt der Guide zum Ertrag einer 10-kWp-Anlage.

Häufige Fehler bei Online-Rechnern

  • Wechselrichtergrenze vergessen. Folge: PVGIS zeigt für 2.000 Wp nach Süden über 2.000 Kilowattstunden, tatsächlich sind es mit 800-Watt-Wechselrichter rund 1.650. Lösung: Tabelle 2 nutzen oder rund ein Fünftel abziehen.
  • Azimut falsch eingeben. Folge: In PVGIS steht plus 90 für West; wer Kompassgrade einträgt, rechnet mit der falschen Richtung. Lösung: Süden ist 0, Osten minus 90, Westen plus 90.
  • Verschattung ignorieren. Folge: Der Rechner verspricht 580 Kilowattstunden, der Balkon liefert 400. Lösung: Im Simulator ehrlich eine Stufe wählen, in PVGIS von Hand einen Abschlag machen.
  • Erzeugung mit Ersparnis verwechseln. Folge: 800 Kilowattstunden mal 37 Cent ergeben fast 300 Euro, die es nicht gibt. Lösung: Nur den vermiedenen Netzbezug mit dem Strompreis multiplizieren; der Simulator rechnet das für dich.
  • Mit Standardwerten rechnen. Folge: 33 Cent Strompreis und 2.100 Kilowattstunden passen nicht zu deinem Haushalt. Lösung: Verbrauch und Arbeitspreis von der Jahresabrechnung übernehmen.
  • Ein Jahr Messung mit dem Mittel vergleichen. Folge: Ein schwaches erstes Jahr wirkt wie ein Defekt. Lösung: Abweichungen bis rund 10 Prozent sind normal; bei mehr Monatswerte mit Tabelle 4 vergleichen.
  • Werte verschiedener Rechner mischen. Folge: Erzeugung aus PVGIS mit 14 Prozent Verlust, Ersparnis aus einem Rechner mit 20 Prozent, und am Ende passt nichts zusammen. Lösung: Eine Quelle für die Erzeugung, eine für den Eigenverbrauch, Annahmen notieren.

Vom Rechenergebnis zur Entscheidung

Ein Rechner beantwortet die Frage, wie viel Strom ein Set erzeugt und wie viel du davon nutzt. Ob sich der Kauf lohnt, hängt zusätzlich vom Preis ab, den du tatsächlich zahlst, und davon, wie lange das Set hängen bleibt. Die vollständige Rechnung mit Anschaffung, Ersparnis und Amortisation steht im Guide zur Frage, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt.

Wer über einen Speicher nachdenkt, kann ihn im Simulator zuschalten. Laut Dokumentation bildet die App einen AC-gekoppelten Speicher ab, mit Wirkungsgraden von rund 92 Prozent beim Laden und Entladen und 97,8 Prozent in der Batterie, zusammen 82,5 Prozent Systemnutzungsgrad, und rechnet einen Tausch nach zehn Jahren ein, wenn du Ersatzkosten aktivierst. Standby-Verluste sind nicht enthalten; reale Speicher schneiden deshalb etwas schlechter ab. Welche Kapazität zu welchem Set passt, erklärt der Guide zur Speichergröße.

Nach dem Kauf wird der Rechner zum Prüfwerkzeug. Notiere einmal im Monat den Zählerstand aus der App des Wechselrichters und lege ihn neben Tabelle 4. Weicht ein Sommermonat um mehr als ein Viertel nach unten ab, ohne dass das Wetter auffällig schlecht war, lohnt ein Blick auf Verschattung, Verschmutzung und die Einstellungen des Wechselrichters.

Regeln, die die Eingaben begrenzen

Rechner lassen oft Kombinationen zu, die nicht erlaubt oder nicht normgerecht sind. Prüfe deshalb vor dem Kauf, was in deinem Land gilt.

In Deutschland darf ein Steckersolargerät nach § 8 Absatz 5a EEG bis 800 Voltampere Wechselrichterleistung und bis 2.000 Watt Peak Modulleistung haben und wird vereinfacht im Marktstammdatenregister angemeldet. Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 sieht laut DKE den Schuko-Stecker nur mit zusätzlichem Schutz und bis 960 Watt Peak vor; darüber braucht es einen speziellen Einspeisestecker. Alle Werte in Tabelle 2 bewegen sich innerhalb dieser Grenzen. Die Einzelheiten stehen im Guide zu den Regeln für Balkonkraftwerke.

In Österreich gelten Mini-PV-Anlagen bis 800 Watt Engpassleistung je Netzbenutzer; laut E-Control werden sie mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber gemeldet. Eine feste Obergrenze für die Modulleistung nennt die Regelung nicht. Für Wien zeigt Tabelle 3 rund 13 Prozent mehr Ertrag als in der Mitte Deutschlands, für Graz rund 18 Prozent. Den Simulator kannst du nutzen, solltest die Erzeugung aber mit dem Standortfaktor nach oben korrigieren.

In der Schweiz sind Plug-and-Play-Anlagen laut VSE und ESTI bis 600 Watt pro Bezügerleitung vorgesehen. Für Schweizer Standorte überschätzen Tabelle 2 und der Simulator mit 800-Watt-Wechselrichter deshalb den Ertrag großer Sets. Nach unseren PVGIS-Stundenwerten für Mitteldeutschland liefert ein 1.200-Wp-Set mit 600 Watt nach Süden mit 30 Grad rund 9 Prozent weniger als mit 800 Watt, senkrecht nach Süden rund 4 Prozent weniger; bei 800 Wp ist der Unterschied unter 1 Prozent. Dafür liegen Zürich, Bern und Lugano 11 bis 27 Prozent über der Mitte Deutschlands.

Nächste Schritte

Häufige Fragen

Ist der Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin kostenlos?

Ja. Der Simulator ist frei im Browser nutzbar, ohne Anmeldung und ohne Angabe persönlicher Daten. Er wurde von der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin im Forschungsprojekt PV.plug-inTools entwickelt und vom Institut für angewandte Forschung Berlin gefördert.

Warum fragt der Stecker-Solar-Simulator keinen Standort ab?

Weil ihm die Messwerte eines einzigen Standorts zugrunde liegen: des DWD-Observatoriums Lindenberg in Brandenburg im Jahr 2017. Die Ergebnisse stammen aus vorab gerechneten Simulationen von über 17 Millionen Systemkonfigurationen. Für Standorte im Süden oder in den Alpen liegt der tatsächliche Ertrag deshalb meist höher, im Norden etwas niedriger.

Wie genau ist der Stecker-Solar-Simulator?

Für Südmodule in Ostdeutschland liegt er sehr nahe an PVGIS-Werten für dasselbe Jahr, im Vergleich zum langjährigen Mittel aber rund 7 bis 11 Prozent darunter, weil 2017 ein schwaches Jahr war. Für Ost-, West- und Nordausrichtungen rechnet er höher als PVGIS. Die Selbstversorgung schätzt er dagegen besser als reine Ertragsrechner, weil er 41 gemessene Lastprofile nutzt.

Was ist der Unterschied zwischen dem Stecker-Solar-Simulator und PVGIS?

Der Simulator ist für Balkonkraftwerke gebaut und rechnet Ertrag, Eigenverbrauch, Ersparnis und Amortisation, aber nur für einen Standort und ein Jahr. PVGIS ist ein allgemeines Ertragswerkzeug der Europäischen Kommission für jeden Ort in Europa mit Satellitendaten 2005 bis 2023, kennt aber weder Eigenverbrauch noch die 800-Watt-Grenze des Wechselrichters.

Wie viel Strom erzeugen 2.000 Wp an einem 800-Watt-Wechselrichter?

Nach unseren PVGIS-Stundenwerten in Mitteldeutschland rund 1.650 kWh im Jahr nach Süden mit 30 Grad, rund 1.290 kWh senkrecht nach Süden und rund 940 kWh senkrecht nach Osten oder Westen. Das ist etwa doppelt so viel wie mit 800 Wp. Der Stecker-Solar-Simulator kommt nach Süden mit 30 Grad auf 1.556 kWh.

Welche Systemverluste soll ich in PVGIS eintragen?

PVGIS schlägt 14 Prozent vor; sie stehen laut Handbuch für Kabel, Wechselrichter, Verschmutzung und die allmähliche Alterung der Module. Für ein Balkonkraftwerk mit kurzen Kabeln und einem effizienten Mikrowechselrichter ist das ein brauchbarer Wert. Wer vorsichtig rechnen will, nimmt 18 bis 20 Prozent. Unser Ertrags-Guide nutzt dieselbe 14-Prozent-Basis wie die Tabellen hier.

Rechnet der Simulator mit Speicher?

Ja, optional. Er bildet einen AC-gekoppelten Speicher bis 3.000 Wattstunden mit einem Systemnutzungsgrad von 82,5 Prozent ab. Batteriepreis, Ersatzkosten nach zehn Jahren und eigene Speicherkosten lassen sich einstellen.

Welche Werte soll ich für den Strompreis im Simulator eingeben?

Deinen eigenen Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde laut Stromrechnung, ohne Grundpreis. Der Simulator schlägt 33 Cent vor und erlaubt 25 bis 45 Cent. Eine jährliche Preisänderung kannst du zusätzlich eintragen; standardmäßig steht sie auf null.

Quellen

  1. Stecker-Solar-Simulator (Web-App) Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, abgerufen am 04.11.2026
  2. Web-App Stecker-Solar-Simulator: Dokumentation der Berechnungsgrundlagen, Version 3.0 (Mai 2024) Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, abgerufen am 04.11.2026
  3. PVGIS 5.3: Abfragen PVcalc und seriescalc, 1 kWp, 14 Prozent Systemverluste, SARAH3; Monatswerte 2005 bis 2023, Stundenwerte 2014 bis 2023; 15 Standorte, 6 Ausrichtungen, Neigung 0 bis 90 Grad Europäische Kommission, Joint Research Centre, abgerufen am 04.11.2026
  4. PVGIS 5.3: Stundenwerte 2017 und Mittelwerte für Lindenberg (52,21° N, 14,12° O) Europäische Kommission, Joint Research Centre, abgerufen am 04.11.2026
  5. PVGIS: Benutzerhandbuch Europäische Kommission, Joint Research Centre, abgerufen am 04.11.2026
  6. EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 04.11.2026
  7. DKE Normauslegung zu DIN VDE V 0126-95 (Dezember 2025) DKE, abgerufen am 04.11.2026
  8. E-Control: Mini-PV-Anlagen E-Control, abgerufen am 04.11.2026
  9. VSE Infoblatt Plug-and-Play-PV Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, abgerufen am 04.11.2026
  10. Balkonkraftwerk-Rechner co2online, abgerufen am 04.11.2026
  11. Solarkataster NRW Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW, abgerufen am 04.11.2026
  12. Sonnendach.ch und Sonnenfassade.ch Bundesamt für Energie BFE, abgerufen am 04.11.2026
  13. HTW Berlin: Solarisator Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, abgerufen am 04.11.2026

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