Balkonkraftwerk

Wann lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Amortisation und Faustregeln

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich, wenn du mindestens 250 bis 300 kWh im Jahr selbst nutzt. Dann ist es nach 3 bis 6 Jahren bezahlt. Formel, Beispiele, Grenzfälle.

Von Voltgeber Redaktion Aktualisiert Zuletzt geprüft 8 Min. Lesezeit Gilt für DeutschlandÖsterreichSchweiz

Dieser Ratgeber befindet sich noch in der Prüfung. Einzelne Angaben können sich ändern.

Wann lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Amortisation und Faustregeln

Das Wichtigste in Kürze

  • Amortisation in Jahren = Anschaffungspreis geteilt durch selbst genutzte Kilowattstunden mal Strompreis.
  • Bei 37 Cent je Kilowattstunde spart jede selbst genutzte Kilowattstunde 37 Cent; 300 kWh im Jahr sind rund 110 Euro.
  • Ein Set für 500 Euro mit 700 kWh Ertrag und 60 Prozent Eigenverbrauch ist nach gut drei Jahren bezahlt.
  • Unter etwa 200 kWh selbst genutztem Strom im Jahr steigt die Amortisation auf acht Jahre und mehr.
  • Ein Speicher verlängert die Amortisation mit zwei Modulen meist auf sechs Jahre und mehr.

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich, wenn du im Jahr mindestens 250 bis 300 Kilowattstunden seines Stroms selbst verbrauchst. Bei einem Strompreis von 37 Cent je Kilowattstunde spart das rund 90 bis 110 Euro im Jahr, und ein Set für 400 bis 600 Euro ist nach vier bis sechs Jahren bezahlt. Mit Südausrichtung und 400 Kilowattstunden Eigenverbrauch sind es eher drei Jahre. Nordbalkon, Dauerschatten oder ein teurer Speicher kippen die Rechnung.

Die Formel: So rechnest du die Amortisation

Ein Balkonkraftwerk verdient kein Geld, es spart Strom, den du sonst kaufen würdest. Deshalb zählt nur der Teil des Ertrags, den du im Moment der Erzeugung selbst verbrauchst. Der Überschuss fließt ohne Vergütung ins Netz, denn Steckersolargeräte im vereinfachten Verfahren sind nach § 8 Absatz 5a EEG der unentgeltlichen Abnahme zugeordnet.

Die Rechnung hat drei Schritte:

  1. Jahresertrag in Kilowattstunden mal Eigenverbrauchsanteil ergibt den selbst genutzten Strom.
  2. Selbst genutzter Strom mal Strompreis ergibt die Ersparnis pro Jahr.
  3. Anschaffungspreis geteilt durch Ersparnis pro Jahr ergibt die Amortisation in Jahren.

Ein Beispiel: Ein Set mit zwei Modulen kostet mit Halterung 500 Euro und liefert am Südbalkon 700 Kilowattstunden im Jahr. Davon nutzt dein Haushalt 60 Prozent direkt, also 420 Kilowattstunden. Bei 37 Cent sind das rund 155 Euro im Jahr. Nach 500 geteilt durch 155, also gut drei Jahren, ist das Set bezahlt; danach spart es bei gleichem Strompreis jedes Jahr dieselbe Summe.

Den Strompreis nimmst du aus deiner Rechnung: den Arbeitspreis je Kilowattstunde, ohne Grundpreis, denn den zahlst du mit und ohne Balkonkraftwerk. Der BDEW nennt für 2026 einen durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von rund 37 Cent je Kilowattstunde einschließlich Grundpreisanteil; Neukundentarife liegen darunter, Grundversorgung darüber. Wer einen günstigen Tarif hat, rechnet mit seinem eigenen Wert.

Wie viel Eigenverbrauch du brauchst

Die wichtigste Stellschraube ist nicht der Ertrag, sondern der selbst genutzte Strom. Die Tabelle zeigt die Amortisation für drei Anschaffungspreise und vier Mengen selbst genutzten Stroms, gerechnet mit 37 Cent je Kilowattstunde.

Selbst genutzter Strom pro Jahr Ersparnis pro Jahr Set für 400 Euro Set für 600 Euro Set für 800 Euro
200 kWh rund 74 Euro 5,4 Jahre 8,1 Jahre 10,8 Jahre
300 kWh rund 111 Euro 3,6 Jahre 5,4 Jahre 7,2 Jahre
400 kWh rund 148 Euro 2,7 Jahre 4,1 Jahre 5,4 Jahre
500 kWh rund 185 Euro 2,2 Jahre 3,2 Jahre 4,3 Jahre

Als Faustregel gilt: Ab etwa 300 Kilowattstunden selbst genutztem Strom im Jahr ist ein typisches Set innerhalb von fünf bis sechs Jahren bezahlt und arbeitet danach noch viele Jahre mit Gewinn. Unter 200 Kilowattstunden wird es knapp, weil die Amortisation dann in die Nähe der Lebensdauer des Wechselrichters rückt.

Beispielrechnungen für typische Haushalte

Die Szenarien zeigen, wie stark Ausrichtung und Tagesablauf die Rechnung verschieben. Die Preise sind unsere Marktbeobachtung vom November 2026, die Erträge grobe Modellwerte für Deutschland; dein Standort kann abweichen.

Situation Jahresertrag Eigenverbrauch Selbst genutzt Ersparnis Anschaffung Amortisation
Südbalkon, Module 30 Grad aufgeständert, Familie tagsüber zu Hause 800 kWh 70 Prozent 560 kWh rund 207 Euro 600 Euro rund 3 Jahre
Südgeländer senkrecht, Paar berufstätig 600 kWh 50 Prozent 300 kWh rund 111 Euro 500 Euro rund 4,5 Jahre
Ost- oder Westbalkon senkrecht, Single im Homeoffice 450 kWh 65 Prozent 290 kWh rund 108 Euro 500 Euro rund 4,6 Jahre
Nordbalkon, Familie 300 kWh 70 Prozent 210 kWh rund 78 Euro 500 Euro rund 6,4 Jahre
Vier Module (etwa 1.700 Watt Peak) nach Süden, Paar 1.200 kWh 45 Prozent 540 kWh rund 200 Euro 800 Euro rund 4 Jahre
Zwei Module mit Speicher (1,6 kWh), Paar 700 kWh netto rund 77 Prozent 540 kWh rund 200 Euro 1.300 Euro rund 6,5 Jahre

Zwei Muster fallen auf. Erstens: Ein Haushalt, der tagsüber Strom braucht, holt aus einem mittelmäßigen Standort fast so viel heraus wie ein leerer Haushalt aus einem guten. Zweitens: Vier Module verbessern die Rechnung, weil die Anlage morgens, abends und im Winter länger nahe ihrer 800-Watt-Grenze arbeitet. Was die Grenze von 2.000 Watt Peak dabei erlaubt, steht im Guide zu 2.000 Watt.

JFMAMJJASOND
Nur der Strom, den du im Moment der Erzeugung verbrauchst, spart Geld. Der Rest fließt ohne Vergütung ins Netz.

So prüfst du, ob es sich für dich lohnt

  1. Ertrag schätzen. Gib Ausrichtung, Neigung, Modulleistung und mögliche Verschattung in den Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin ein. Er rechnet mit Wetterdaten und gibt Jahresertrag und Eigenverbrauchsanteil aus. Hintergründe zu Ausrichtung und Neigung stehen im Guide zum Ertrag.

  2. Grundlast ablesen. Lies nachts um drei Uhr den Zähler zweimal im Abstand von einer Stunde ab oder schau auf die Anzeige des digitalen Zählers. Was dann läuft, läuft auch mittags und nimmt Solarstrom ab. Bei einem Set mit zwei Modulen nehmen 100 Watt Grundlast grob 250 bis 350 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr sicher ab, weil sie in jeder Sonnenstunde laufen.

  3. Strompreis eintragen. Nimm den Arbeitspreis aus deiner letzten Jahresabrechnung oder deinem aktuellen Vertrag.

  4. Gesamtpreis ermitteln. Set, Halterung, Versand, gegebenenfalls Verlängerung oder Außensteckdose. Was die Posten kosten, steht im Guide zu den Kosten.

  5. Teilen und vergleichen. Liegt die Amortisation unter sechs Jahren, ist das Set eine solide Anschaffung. Zwischen sechs und zehn Jahren lohnt es sich noch, aber nur, wenn du es lange betreibst. Über zehn Jahren rechnet es sich finanziell kaum.

Wann sich ein Balkonkraftwerk nicht lohnt

  • Dauerschatten. Ein Baum, ein Balkon darüber oder ein Nachbarhaus, die das Modul den halben Tag verschatten, können den Ertrag halbieren. Schatten auf einer einzelnen Zelle bremst je nach Verschaltung das ganze Modul.
  • Nordausrichtung ohne Aufständerung. Senkrecht nach Norden kommen oft nur einige hundert Kilowattstunden zusammen; die Amortisation rückt in Richtung sieben bis zehn Jahre.
  • Sehr niedriger Tagesverbrauch. Wer tagsüber kaum Strom braucht und keine Geräte in die Mittagszeit verschieben kann, verschenkt einen großen Teil ans Netz.
  • Teure Extras im Verhältnis zur Anlage. Eine aufwendige Wandhalterung für 300 Euro an einem Ost-Balkon oder eine neu verlegte Außensteckdose können die Amortisation um Jahre verlängern.
  • Speicher als Erstkauf. Mit zwei Modulen bringt ein Speicher netto meist nur 40 bis 80 Euro im Jahr zusätzlich. Ob er sich in deinem Fall rechnet, steht im Guide zum Speicher.

Was die Rechnung sonst noch verschiebt

Strompreis. Die Ersparnis ändert sich im gleichen Verhältnis wie der Strompreis. Bei 30 Cent statt 37 Cent verlängert sich eine dreijährige Amortisation auf knapp vier Jahre, bei 42 Cent verkürzt sie sich auf gut zweieinhalb.

Förderung. Ein kommunaler Zuschuss senkt den Anschaffungspreis direkt. München zahlt zum Beispiel 40 Cent je Watt Peak bis 800 Watt Peak, also bis zu 320 Euro, höchstens die Hälfte der Kosten. Damit halbiert sich die Amortisation fast. Welche Programme es gibt, steht im Guide zur Förderung.

Lebensdauer und Ersatzteile. Module sind auf 20 bis 30 Jahre ausgelegt und verlieren nach Herstellerangaben etwa ein halbes Prozent Leistung im Jahr. Der Wechselrichter ist das Verschleißteil; plane nach zehn bis fünfzehn Jahren einen Tausch für Stand November 2026 etwa 100 bis 250 Euro ein. Worauf du beim Wechselrichter achtest, steht im Guide zum Wechselrichter.

Umzug. Ein Balkonkraftwerk ist mobil. Module und Wechselrichter ziehen mit, die Halterung passt am neuen Balkon nicht immer. Als Mieter hast du am neuen Ort wieder einen Anspruch auf Zustimmung; Details stehen im Guide für Mieter.

Anmeldung und Zähler. Beides kostet dich nichts. Die Registrierung im Marktstammdatenregister ist kostenlos, der Zählertausch läuft über das Messentgelt. Den Ablauf zeigt die Anleitung zur Anmeldung.

Rechnung über 20 Jahre

Die Amortisation sagt, wann das Geld zurück ist. Was danach bleibt, zeigt der Blick über die Lebensdauer. Die Rechnung nimmt konstanten Strompreis an, zieht einen Wechselrichtertausch ab und berücksichtigt keine Alterung der Module; bei einem halben Prozent Leistungsverlust pro Jahr liegt der Gewinn grob fünf Prozent niedriger.

Größe Vorsichtig Mittel Günstig
Anschaffung 700 Euro 550 Euro 400 Euro
Selbst genutzter Strom pro Jahr 250 kWh 400 kWh 550 kWh
Ersparnis pro Jahr bei 37 Cent rund 93 Euro rund 148 Euro rund 204 Euro
Ersparnis in 20 Jahren rund 1.850 Euro rund 2.960 Euro rund 4.070 Euro
Wechselrichtertausch 200 Euro 150 Euro 100 Euro
Überschuss nach 20 Jahren rund 950 Euro rund 2.260 Euro rund 3.570 Euro

Selbst im vorsichtigen Fall bleibt nach 20 Jahren ein Plus. Eine Anlage, die nach Abzug aller Kosten über ihre Lebensdauer nur knapp über null landet, lohnt sich finanziell nicht, auch wenn sie sich rechnerisch irgendwann amortisiert.

Österreich und Schweiz

In Österreich gilt dieselbe Formel. Zwei Unterschiede verschieben die Zahlen. Erstens zahlst du nach unserem Stand wieder Mehrwertsteuer auf das Set, weil der befristete Nullsteuersatz für kleine Photovoltaikanlagen 2025 vorzeitig beendet wurde; das macht die Anschaffung rund ein Fünftel teurer als in Deutschland. Zweitens liegen die Strompreise je nach Netzgebiet und Lieferant anders als in Deutschland. Rechne mit dem Arbeitspreis einschließlich Netzentgelt und Abgaben aus deiner Rechnung; der Tarifkalkulator der E-Control zeigt, was dein Haushalt aktuell zahlt.

Die Leistungsgrenze liegt wie in Deutschland bei 800 Watt. Die Meldung beim Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme kostet nichts, ein Smart Meter ist in den meisten Netzgebieten schon eingebaut.

In der Schweiz sind Plug-and-Play-Anlagen bis 600 Watt Wechselrichterleistung je Anschluss zulässig. Das senkt den Ertrag gegenüber 800 Watt nur leicht, weil die Anlage selten länger an der Grenze arbeitet. Stärker wirkt der Strompreis: Die ElCom nennt für 2026 einen Median von 27,7 Rappen je Kilowattstunde für Haushalte in der Grundversorgung, für 2027 sind 26,5 Rappen angekündigt. Mehrwertsteuer wird regulär berechnet.

Ein grobes Beispiel: 650 Kilowattstunden Ertrag, 60 Prozent Eigenverbrauch und 27,7 Rappen ergeben rund 108 Franken im Jahr. Ein Set für 600 Franken ist dann nach gut fünfeinhalb Jahren bezahlt. Die Tarife unterscheiden sich je nach Gemeinde stark; rechne mit dem Wert deines Netzbetreibers.

Nächste Schritte

Wenn die Rechnung für dich aufgeht, folgen Auswahl und Papierkram:

Häufige Fragen

Nach wie vielen Jahren hat sich ein Balkonkraftwerk amortisiert?

Meist nach drei bis sechs Jahren, Stand November 2026. Ein Set für 500 Euro, das 420 Kilowattstunden im Jahr selbst genutzten Strom liefert, spart bei 37 Cent rund 155 Euro und ist nach gut drei Jahren bezahlt. Nordbalkon, Schatten oder ein teurer Speicher verlängern die Zeit deutlich.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für einen Single-Haushalt?

Oft ja, wenn tagsüber Grundlast läuft. Kühlschrank, Router und Standby-Geräte ziehen rund um die Uhr 50 bis 150 Watt und nehmen einen Teil des Solarstroms ab. Wer den ganzen Tag außer Haus ist, nutzt eher 30 bis 50 Prozent selbst und kommt auf fünf bis sieben Jahre Amortisation.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk noch, wenn der Strompreis sinkt?

Ja, aber langsamer. Die Ersparnis sinkt im gleichen Verhältnis wie der Strompreis. Bei 30 statt 37 Cent je Kilowattstunde verlängert sich eine Amortisation von drei auf knapp vier Jahre.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk am Nordbalkon?

Selten. Der Ertrag liegt grob bei der Hälfte eines Südbalkons oder darunter, die Amortisation verdoppelt sich entsprechend. Prüfe vorher mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin, ob du auf mindestens 250 selbst genutzte Kilowattstunden kommst.

Rechnet sich ein Balkonkraftwerk, wenn ich in zwei Jahren umziehe?

Meist ja, denn du nimmst es mit. Module und Wechselrichter passen an den nächsten Balkon, nur die Halterung oft nicht. Du meldest den neuen Standort innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister.

Wie lange hält ein Balkonkraftwerk?

Module sind auf 20 bis 30 Jahre ausgelegt; Hersteller garantieren meist noch rund 80 bis 90 Prozent Leistung nach 25 bis 30 Jahren. Der Wechselrichter hält erfahrungsgemäß kürzer, Garantien liegen häufig bei 10 bis 15 Jahren. Plane einen Tausch für 100 bis 250 Euro ein.

Quellen

  1. EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 03.11.2026
  2. UStG § 12 Abs. 3: Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 03.11.2026
  3. BDEW-Strompreisanalyse Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 03.11.2026
  4. HTW Berlin: Stecker-Solar-Simulator Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, abgerufen am 03.11.2026
  5. ElCom: Strompreise und Tarife in der Grundversorgung Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom, abgerufen am 03.11.2026
  6. E-Control: Tarifkalkulator und Informationen zu Kleinsterzeugungsanlagen E-Control Austria, abgerufen am 03.11.2026
  7. Verbraucherzentrale: Erneuerbare Energien Verbraucherzentrale Bundesverband, abgerufen am 03.11.2026

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgeblich sind die Vorgaben deines Netzbetreibers und deiner Kommune.