Balkonkraftwerk
Mit Balkonkraftwerk Auto laden: Was 800 Watt wirklich bringen
Ein E-Auto lädt einphasig ab etwa 1,4 kW, ein Balkonkraftwerk liefert höchstens 800 Watt. Wie viel Solarstrom trotzdem im Akku landet und was sich lohnt.
Dieser Ratgeber befindet sich noch in der Prüfung. Einzelne Angaben können sich ändern.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein E-Auto lädt einphasig mit mindestens etwa 6 Ampere, also rund 1,4 Kilowatt; ein Balkonkraftwerk liefert höchstens 800 Watt.
- An der Schuko-Steckdose laden Mode-2-Kabel meist mit 2,3 Kilowatt; der Rest kommt immer aus dem Netz.
- An einem sonnigen Sommertag deckt ein Balkonkraftwerk beim Laden mit 1,4 Kilowatt grob 30 bis 50 Prozent des Ladestroms.
- Der ADAC hat beim Laden an der Haushaltssteckdose Ladeverluste von 13 bis 24 Prozent gemessen.
- E-Bike- und E-Roller-Akkus lassen sich dagegen oft fast vollständig mit Solarstrom laden.
Mit einem Balkonkraftwerk allein kannst du ein E-Auto nicht laden, aber du kannst einen Teil des Ladestroms selbst erzeugen. Ein Auto lädt einphasig mit mindestens etwa 6 Ampere, also rund 1,4 Kilowatt; an der Schuko-Steckdose sind 2,3 Kilowatt üblich. Das Balkonkraftwerk liefert höchstens 800 Watt, der Rest kommt aus dem Netz. An sonnigen Tagen landen über Mittag grob 2 bis 3 Kilowattstunden Solarstrom im Akku, genug für etwa 10 bis 20 Kilometer. Für E-Bikes und E-Roller reicht der Solarstrom dagegen oft vollständig.
Warum 800 Watt für ein Auto nicht reichen
Ein Elektroauto lädt an Wechselstrom über das Ladegerät an Bord. Die Ladestandards sehen einen Mindeststrom von 6 Ampere vor; darunter beginnt der Ladevorgang nicht. Einphasig an 230 Volt sind das rund 1,4 Kilowatt, dreiphasig rund 4,1 Kilowatt. An einer Schuko-Steckdose lädt das Auto über ein Mode-2-Kabel mit Steuerbox, nach Angaben des ADAC meist mit 2,3 Kilowatt bei 10 Ampere.
Ein Balkonkraftwerk speist nach § 8 Absatz 5a EEG höchstens 800 Voltampere ins Hausnetz ein, und auch das nur an klaren Mittagen. Dein Haushalt nimmt davon zuerst die Grundlast, also Kühlschrank, Router und Standby-Geräte. Was übrig bleibt, fließt in das Auto; die fehlende Leistung zieht das Ladegerät aus dem Netz. Der Stromzähler sieht nur die Summe. Das Balkonkraftwerk lädt das Auto also nicht direkt, es senkt den Netzbezug, während das Auto lädt.
| Gerät | Typische Ladeleistung | Was ein Balkonkraftwerk mittags beiträgt |
|---|---|---|
| E-Auto, Mode-2-Kabel an Schuko, 10 A | rund 2,3 kW | grob ein Viertel |
| E-Auto, Mode-2-Kabel auf 6 A reduziert | rund 1,4 kW | grob 40 bis 50 Prozent |
| E-Auto, Wallbox dreiphasig, 16 A | 11 kW | wenige Prozent |
| E-Bike-Akku, Ladegerät | etwa 100 bis 250 W | oft vollständig |
| E-Roller oder E-Scooter | etwa 50 bis 300 W | oft vollständig |
Rechnung: Wie viel Solarstrom im Akku landet
Die Beispiele gehen von einem Balkonkraftwerk mit zwei Modulen nach Süden aus, einer Grundlast von 100 Watt und einem Ladefenster von 10 bis 15 Uhr. Die Werte sind grobe Modellannahmen, keine Messungen; dein Standort und dein Auto verschieben sie.
| Tag | Mittlere Solarleistung 10 bis 15 Uhr | Solarstrom nach Grundlast | Ladung mit 1,4 kW (5 h) | Solaranteil | Ladung mit 2,3 kW (5 h) | Solaranteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Klarer Sommertag | etwa 650 W | etwa 2,8 kWh | 7 kWh | rund 40 Prozent | 11,5 kWh | rund 24 Prozent |
| Wechselhafter Frühlingstag | etwa 350 W | etwa 1,3 kWh | 7 kWh | rund 18 Prozent | 11,5 kWh | rund 11 Prozent |
| Trüber Wintertag | etwa 80 W | kaum etwas | 7 kWh | unter 5 Prozent | 11,5 kWh | unter 5 Prozent |
An einem klaren Sommertag kommen damit 2 bis 3 Kilowattstunden Solarstrom ins Auto. Ein Kompaktwagen braucht je nach Fahrweise und Jahreszeit etwa 15 bis 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer einschließlich Ladeverlusten; das ergibt 10 bis 20 Kilometer Reichweite aus Sonnenstrom. Über ein Jahr gerechnet sind es, wenn das Auto an vielen Sonnentagen mittags zu Hause steht, grob einige hundert bis knapp tausend Kilometer. Den Jahresbedarf eines Autos mit 10.000 Kilometern deckt das zu einem kleinen Teil.
Ein Punkt verschlechtert die Bilanz zusätzlich: Laden an der Haushaltssteckdose ist ineffizient. Der ADAC hat dabei Ladeverluste zwischen 13 und 24 Prozent gemessen, mehr als an einer Wallbox. Ein Teil des Solarstroms erwärmt also Kabel und Ladegerät.
Wann es sich trotzdem lohnt
Finanziell zählt nicht, wohin der Solarstrom fließt, sondern ob er selbst verbraucht wird. Jede Kilowattstunde, die sonst unvergütet ins Netz ginge und stattdessen im Auto landet, spart den Haushaltsstrompreis, Stand 2026 im Schnitt rund 37 Cent. Lohnen kann sich das Laden über Mittag deshalb, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Das Auto steht an sonnigen Tagen zwischen etwa 10 und 15 Uhr zu Hause, etwa im Homeoffice, in Teilzeit oder am Wochenende.
- Dein Haushalt nutzt den Solarstrom ohne Auto nicht vollständig, du hast also mittags einen Überschuss.
- Du kannst den Ladestrom auf 6 bis 8 Ampere reduzieren, damit der Solaranteil möglichst groß ist.
Ein Beispiel als Größenordnung: An 60 sonnigen Ladetagen im Jahr mit je 2,5 Kilowattstunden Solarstrom im Auto sind das 150 Kilowattstunden. Bei 37 Cent spart das rund 55 Euro im Jahr, vorausgesetzt, der Strom wäre sonst ins Netz geflossen. Das ist ein netter Zusatz, aber kein Grund, ein Balkonkraftwerk wegen des Autos zu kaufen. Ob sich die Anlage insgesamt lohnt, zeigt der Guide zur Frage, wann sich ein Balkonkraftwerk lohnt.
So lädst du mit möglichst viel Solarstrom
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Steckdose prüfen lassen. Lass eine Elektrofachkraft prüfen, ob Steckdose, Leitung und Sicherung für stundenlange Last geeignet sind. Ideal ist ein eigener Stromkreis für das Laden.
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Ladestrom reduzieren. Stell am Mode-2-Kabel oder im Fahrzeugmenü den niedrigsten Ladestrom ein, meist 6 bis 8 Ampere. So passt die Ladeleistung besser zur Solarleistung.
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Ladezeit in die Mittagssonne legen. Nutze die Ladeplanung im Auto oder in der App, damit der Ladevorgang erst gegen 10 Uhr beginnt und bis etwa 15 Uhr läuft.
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Großverbraucher verschieben. Läuft gleichzeitig die Waschmaschine, ist der Solarstrom schnell aufgebraucht. Lade an Tagen, an denen sonst wenig läuft.
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Kleine Akkus zuerst. E-Bike, E-Roller, Werkzeugakkus und Powerbanks nehmen Solarstrom fast vollständig auf, weil ihre Ladeleistung unter der des Balkonkraftwerks liegt.
Wallbox, Überschussladen und Speicher
PV-Überschussladen mit Wallbox funktioniert mit einem Balkonkraftwerk praktisch nicht. Die Wallbox startet erst, wenn dauerhaft mindestens rund 1,4 Kilowatt Überschuss anliegen, dreiphasig mehr als 4 Kilowatt. Das schafft erst eine Dachanlage mit einigen Kilowatt Peak.
Ein Speicher am Balkonkraftwerk kann abends Energie an das Auto abgeben, aber nur mit höchstens 800 Watt, während das Auto mindestens rund 1,4 Kilowatt zieht. Bei 1 bis 2 Kilowattstunden Kapazität und Verlusten beim Ein- und Ausspeichern bleiben wenige Kilometer. Der Speicher arbeitet sinnvoller für Abend- und Nachtverbrauch im Haushalt; wie groß er sein sollte, steht im Guide zur Speichergröße, wie er funktioniert, im Guide zur Funktion eines Balkonkraftwerks mit Speicher.
Mehr Module helfen ebenfalls nur begrenzt. Bis 2.000 Watt Peak erlaubt das vereinfachte Verfahren, die Einspeisung bleibt aber bei 800 Voltampere. Mehr Module verlängern die Stunden nahe der Grenze, heben sie nicht an. Was erlaubt ist, steht im Guide zu 2.000 Watt.
Garage, Carport und Mietwohnung
Ein Garagendach oder Carport ist oft ein besserer Platz als der Balkon: frei ausrichtbar, unverschattet und nah am Auto. Ein Balkonkraftwerk mit Aufständerung auf dem Garagendach bleibt rechtlich ein Steckersolargerät, solange es über einen Stecker an einen Stromkreis angeschlossen ist und die Grenzen einhält. Wie du Module auf einem Flachdach sicher aufstellst, steht im Guide zum Flachdach.
Als Mieter brauchst du für Balkonkraftwerk und Wallbox die Zustimmung des Vermieters, hast aber für beides einen gesetzlichen Anspruch. § 554 BGB nennt ausdrücklich das Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge und die Stromerzeugung durch Steckersolargeräte; für Wohnungseigentümer gilt dasselbe nach § 20 WEG. Wie der Antrag aussieht, steht im Guide für Mieter.
Österreich und Schweiz
In Österreich gilt dieselbe Physik: Die Grenze für Kleinsterzeugungsanlagen liegt bei 800 Watt, das Auto zieht beim einphasigen Laden mindestens rund 1,4 Kilowatt. Das Balkonkraftwerk senkt den Netzbezug beim Laden über Mittag. Bei Mietwohnungen brauchst du für Wallbox und Balkonkraftwerk die Zustimmung des Vermieters; Details stehen im Guide für Mieter.
In der Schweiz ist die Ausgangsleistung von Plug-and-Play-Anlagen auf 600 Watt je Anschluss begrenzt. Der Solaranteil beim Laden fällt entsprechend kleiner aus, beim Laden mit rund 1,4 Kilowatt an einem klaren Sommermittag grob ein Drittel. Für Wallboxen gelten die Vorgaben deines Verteilnetzbetreibers, für Plug-and-Play-Anlagen die des Eidgenössischen Starkstrominspektorats ESTI.
Nächste Schritte
Häufige Fragen
Kann ich mein E-Auto nur mit dem Balkonkraftwerk laden?
Nein. Ein E-Auto braucht einphasig mindestens etwa 1,4 Kilowatt Ladeleistung, ein Balkonkraftwerk liefert höchstens 800 Watt. Das Auto zieht deshalb immer zusätzlich Strom aus dem Netz; das Balkonkraftwerk deckt nur einen Teil.
Wie viele Kilometer bringt ein Balkonkraftwerk am Tag?
An einem sonnigen Sommertag landen beim Laden über Mittag grob 2 bis 3 Kilowattstunden Solarstrom im Auto, je nach Verbrauch genug für etwa 10 bis 20 Kilometer. An trüben Tagen und im Winter ist es kaum etwas.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für das E-Auto?
Nur, wenn das Auto tagsüber zu Hause steht und Strom aufnimmt, der sonst ins Netz fließen würde. Dann spart jede Solar-Kilowattstunde den Haushaltsstrompreis. Den Ladebedarf eines Autos deckt ein Balkonkraftwerk nie; dafür braucht es eine Dachanlage.
Ist es gefährlich, das Auto an der Haushaltssteckdose zu laden?
Schuko-Steckdosen sind nicht für stundenlange Dauerlast gebaut. Der ADAC rät, nur im Ausnahmefall an der Haushaltssteckdose zu laden, den Ladestrom auf 10 Ampere oder weniger zu begrenzen und ein Mode-2-Kabel mit Temperatursensor zu verwenden. Lass Steckdose und Leitung vorher von einer Elektrofachkraft prüfen.
Kann ein Speicher am Balkonkraftwerk das Auto abends laden?
Technisch ja, aber nur teilweise. Ein Speicher gibt am Balkonkraftwerk höchstens 800 Watt ab, das Auto zieht mindestens rund 1,4 Kilowatt, der Rest kommt aus dem Netz. Mit doppelten Umwandlungsverlusten und 1 bis 2 Kilowattstunden Kapazität reicht das für wenige Kilometer.
Brauche ich als Mieter eine Erlaubnis für eine Wallbox?
Ja, aber du hast einen Anspruch darauf. § 554 BGB gibt Mietern seit 2020 das Recht, bauliche Veränderungen für das Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge zu verlangen; seit Oktober 2024 stehen Steckersolargeräte im selben Paragrafen.
Quellen
- BGB § 554: Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz und Steckersolargeräte
- WEG § 20: bauliche Veränderungen
- EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte
- ADAC: Ladeverluste beim Elektroauto
- ADAC: Ladekabel fürs Elektroauto, Typ 2, CCS und Mode 2
- HTW Berlin: Stecker-Solar-Simulator
- Eidgenössisches Starkstrominspektorat ESTI
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