Balkonkraftwerk
Balkonkraftwerk Inselbetrieb: Warum es ohne Netz abschaltet
Ein Balkonkraftwerk schaltet bei Stromausfall nach VDE-AR-N 4105 ab. Welche Inselbetrieb-Lösungen es gibt, was erlaubt ist und wie du sie dimensionierst.
Das Wichtigste in Kürze
- Jeder Wechselrichter eines Balkonkraftwerks muss nach VDE-AR-N 4105 einen Netzausfall erkennen und sich vom Netz trennen; laut einer Studie für das VDE FNN binnen höchstens 5 Sekunden.
- Außerhalb von 47,5 bis 51,5 Hertz Netzfrequenz trennen sich Erzeugungsanlagen nach VDE-AR-N 4105 vom Netz, über 50,2 Hertz reduzieren sie ihre Leistung.
- Eine Inselanlage ohne jede Verbindung zum Netz muss nach § 5 Abs. 2 MaStRV nicht im Marktstammdatenregister registriert werden.
- Im PVGIS-Inselrechner reichen in Kassel 900 Watt Peak und 2 kWh Akku für 300 Wattstunden am Tag ganzjährig, für 1 kWh am Tag ist der Akku im Dezember an rund 8 von 10 Tagen leer.
- Ein Inselwechselrichter von Victron darf nach der Faktor-1,0-Regel des Herstellers höchstens so viel netzgekoppelte PV-Leistung führen, wie er selbst Voltampere hat.
Ein normales Balkonkraftwerk kann nicht im Inselbetrieb laufen. Sein Wechselrichter muss nach der Netzanschlussregel VDE-AR-N 4105 einen Stromausfall erkennen und sich vom Netz trennen, auch bei voller Sonne. Wer Solarstrom ohne Netz nutzen will, braucht zusätzliche Technik: eine Powerstation, einen Speicher mit Notstromsteckdose, einen Inselwechselrichter oder eine Ersatzstromanlage, die eine Elektrofachkraft installiert.
Warum der Wechselrichter ohne Netz abschaltet
Ein Mikrowechselrichter für den Balkon ist netzgeführt. Er misst ständig Spannung und Frequenz des Hausnetzes und speist seinen Strom im Takt dieser 50 Hertz ein. Fehlt das Netz, fehlt ihm der Taktgeber. Zugleich verlangt die VDE-AR-N 4105, die Anwendungsregel für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz, einen eingebauten Netz- und Anlagenschutz, kurz NA-Schutz. Er trennt den Wechselrichter über Relais vom Netz, sobald Spannung oder Frequenz den zulässigen Bereich verlassen oder ein Inselnetz erkannt wird.
Den Fachbegriff dafür nennen Hersteller oft Anti-Islanding. Gemeint ist die Verhinderung eines ungewollten Inselnetzes: Ein Teil des Netzes ist vom übrigen Verbund getrennt, etwa nach einer Abschaltung für Wartungsarbeiten, aber dezentrale Anlagen halten die Spannung darin aufrecht. Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität im Auftrag des Forums Netztechnik und Netzbetrieb im VDE beschreibt die Folgen. Trotz fehlender Verbindung zum Netz liegt weiter Spannung an, die Anlagen liefern zu wenig Kurzschlussstrom, damit Sicherungen zuverlässig auslösen, und Amplitude und Phasenlage der Inselspannung verschieben sich gegenüber dem Netz. Wird das Netz dann wieder zugeschaltet, droht nach der Studie bei asynchronem Wiederzuschalten eine Beschädigung von Geräten.
Für Menschen ist der erste Punkt der wichtigste. Ein Monteur, der eine Leitung freigeschaltet hat, muss sich darauf verlassen können, dass sie spannungsfrei bleibt. Ein Balkonkraftwerk, das während eines Stromausfalls weiter einspeist, würde diese Annahme untergraben.
Was der NA-Schutz konkret prüft
Die Studie für das VDE FNN nennt die Kernwerte, die sich durch die Regelwerke ziehen. Die Frequenzgrenzen liegen in Deutschland nach VDE-AR-N 4105 bei 47,5 und 51,5 Hertz; außerhalb davon muss sich die Anlage trennen. Steigt die Frequenz über 50,2 Hertz, reduziert der Wechselrichter seine Leistung schrittweise, nach der in der Studie zitierten Kennlinie um 40 Prozent der momentanen Leistung je Hertz. Ein Inselnetz müssen die Anlagen nach VDE-AR-N 4105 innerhalb von höchstens 5 Sekunden erkennen; gängige Verfahren schaffen das laut der Studie in weniger als einer Sekunde. Die Studie stammt von 2015. Die VDE-AR-N 4105 wurde seither überarbeitet, zuletzt nach Berichten der Fachpresse im März 2026; ob sich an diesen Werten etwas geändert hat, konnten wir im Normtext nicht prüfen, weil er nicht frei zugänglich ist.
| Prüfgröße | Wert nach VDE-AR-N 4105 laut FNN-Studie | Folge |
|---|---|---|
| Frequenz unter 47,5 Hz | unzulässig | Trennung vom Netz |
| Frequenz 50,2 bis 51,5 Hz | Überfrequenz | Leistungsreduzierung, 40 Prozent je Hertz |
| Frequenz über 51,5 Hz | unzulässig | Trennung vom Netz |
| Inselnetz erkannt | ungewollter Inselbetrieb | Trennung, Erkennung binnen höchstens 5 Sekunden |
| Netz wieder da | Wiederzuschaltung | erst nach Prüfzeit mit stabilen Werten |
Die Überfrequenz-Reduzierung wird weiter unten noch wichtig: Genau diese Kennlinie nutzen Inselwechselrichter, um einen angeschlossenen Mikrowechselrichter zu drosseln.
Auch der Speicher ändert daran nichts
Viele Käufer gehen davon aus, dass ein Balkonkraftwerk mit Akku bei Stromausfall weiterläuft. Das stimmt nur für Geräte mit eigenem Ersatzstromausgang. Der Netzausgang eines Balkonspeichers ist ebenfalls ein Wechselrichter nach VDE-AR-N 4105 und trennt sich bei Netzausfall genauso. Wie der Strom zwischen Modul, Akku und Steckdose im Normalbetrieb fließt, erklärt der Guide zur Funktion eines Balkonkraftwerks mit Speicher.
Was “Inselbetrieb” beim Balkonkraftwerk alles heißen kann
Der Begriff wird im Handel für sehr verschiedene Aufbauten verwendet. Für die Planung und für die Rechtslage hilft eine klare Unterscheidung nach der Frage, ob und wie das System mit dem Hausnetz verbunden ist.
| Aufbau | Verbindung zum Hausnetz | Was bei Stromausfall läuft | Registrierung in Deutschland |
|---|---|---|---|
| Balkonkraftwerk ohne Speicher | ja, über Schuko- oder Einspeisestecker | nichts | Marktstammdatenregister |
| Balkonkraftwerk mit Speicher ohne Ersatzstromausgang | ja | nichts | Marktstammdatenregister mit Speicher |
| Speicher mit Notstromsteckdose | ja, im Normalbetrieb | Geräte an der Notstromsteckdose | Marktstammdatenregister mit Speicher |
| Powerstation mit Solarmodul, ohne Netzverbindung | nein | Geräte an der Powerstation | keine |
| Inselwechselrichter mit Akku, eigenes Inselnetz | nein, oder nur über Umschaltung | Verbraucher im Inselnetz | keine, solange ohne Netzverbindung |
| Ersatzstromanlage mit Netzumschaltung | ja, Umschaltung durch Elektrofachkraft | ausgewählte Stromkreise im Haus | Netzbetreiber und Register |
Die Tabelle zeigt den Kern der Sache. Echter Inselbetrieb setzt voraus, dass ein Gerät selbst ein Wechselstromnetz bildet, an dem sich andere Geräte orientieren können. Ein netzgeführter Mikrowechselrichter kann das nicht, ein Inselwechselrichter, eine Powerstation oder der Ersatzstromteil eines Speichers schon. Alle sinnvollen Lösungen bauen deshalb auf einem netzbildenden Gerät mit Akku auf.
Option 1: Powerstation mit Solarmodul
Die einfachste Inselanlage ist eine Powerstation, also ein tragbarer Akku mit eingebautem Laderegler und Wechselrichter, an deren Solareingang ein oder zwei Module hängen. Die Geräte steckst du direkt in die Steckdosen der Powerstation. Eine Verbindung zum Hausnetz gibt es nicht, und genau das macht diese Lösung rechtlich unkompliziert.
Als Beispiel für die Größenordnung nennt das Datenblatt der EcoFlow DELTA 2 eine Kapazität von 1.024 Wattstunden, einen Wechselstromausgang von 1.800 Watt und einen Solareingang für 11 bis 60 Volt bei höchstens 15 Ampere und 500 Watt. Ein Glasmodul der 400- bis 450-Watt-Klasse mit rund 41 Volt im Leistungspunkt passt an einen solchen Eingang, solange seine Leerlaufspannung auch an kalten Tagen unter 60 Volt bleibt. Zwei solcher Module in Reihe passen nicht, weil sich die Spannungen addieren.
Die Grenze dieser Lösung ist die Leistung am Solareingang. Mit 500 Watt lädt die Powerstation auch dann nicht schneller, wenn du 900 Watt Peak an Modulen anschließt; der Laderegler begrenzt. Im Sommer reicht das gut für Kühlschrank, Router und Licht. Im Winter liefert ein Modul an einem Wintertag nur einen Bruchteil davon. Wie du Panel und Powerstation sicher zusammensteckst und welche Spannungen passen, steht im Guide zum faltbaren Solarpanel; für sehr kleine 12-Volt-Inselanlagen mit Laderegler und Batterie im Guide zu kleinen Solarmodulen.
Option 2: Balkonspeicher mit Notstromsteckdose
Die zweite Gruppe sind Balkonspeicher, die im Normalbetrieb wie ein gewöhnliches Balkonkraftwerk mit Akku ins Hausnetz einspeisen und zusätzlich einen separaten Ersatzstromausgang haben. Fällt das Netz aus, trennt sich der Netzausgang vorschriftsgemäß, und der Speicher versorgt aus Akku und Modulen nur diese eigene Steckdose. Ein Hersteller nennt das Notstrom, ein anderer Backup oder Off-Grid; gemeint ist meist dasselbe.
Die folgende Tabelle zeigt veröffentlichte Werte für einige Geräte, die im Herbst 2026 auf dem Markt sind. Voltgeber testet keine Produkte; die Angaben stammen von Herstellern, Händlern und Fachpresse.
| Gerät | Kapazität | Netzausgang | Ersatzstrom | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| EcoFlow DELTA 2 (Powerstation) | 1.024 Wh | kein Netzausgang | 1.800 W an den eigenen Steckdosen | Datenblatt |
| Anker SOLIX Solarbank 4 Pro | 5.024 Wh LFP, erweiterbar | 800 W ab Werk | 2.500 W, separater Anschluss, Umschaltung laut Anker in 10 ms | Ankündigung und Händlerdatenblatt |
| Marstek Venus E | 5,12 kWh, erweiterbar bis 20,48 kWh | 2,5 kW technisch, am Balkonkraftwerk auf 800 W zu begrenzen | bis 2,5 kW einphasig | pv magazine, Mai 2025 |
| Victron MultiPlus-II 48/3000 (Inselwechselrichter) | Akku separat, 48 V | als Inselwechselrichter keiner | 3.000 VA, 2.400 W Dauerleistung bei 25 Grad | Datenblatt |
Drei Punkte prüfst du bei solchen Geräten. Erstens, ob der Ersatzstromausgang wirklich getrennt vom Netzausgang ist und welche Leistung er dauerhaft liefert. Zweitens die Umschaltzeit: 10 bis 20 Millisekunden überbrücken Router und Kühlschrank meist ohne Neustart, ein Rechner ohne eigene USV kann trotzdem abstürzen. Drittens, ob die Module bei Netzausfall weiter laden. Bei Speichern mit DC-Eingang ist das in der Regel der Fall, bei reinen AC-Speichern, die nur über die Steckdose geladen werden, nicht, weil der Mikrowechselrichter des Balkonkraftwerks ohne Netz abschaltet. Den Unterschied erklärt der Guide zu AC- und DC-Speichern.
Option 3: Inselwechselrichter und AC-Kopplung
Wer ein vorhandenes Balkonkraftwerk mit Mikrowechselrichter auch ohne Netz nutzen will, landet bei einem Inselwechselrichter, der selbst ein Wechselstromnetz bildet. Im Fachhandel heißen solche Geräte Wechselrichter-Ladegeräte oder Off-Grid-Wechselrichter. Sie laden einen Akku, bilden an ihrem Ausgang 230 Volt mit 50 Hertz und können je nach Modell zusätzlich einen netzgekoppelten Wechselrichter an diesem Ausgang betreiben. Diese Konstruktion heißt AC-Kopplung.
Victron Energy beschreibt das Prinzip für seine Geräte so: Der netzgekoppelte PV-Wechselrichter hängt am Ausgang des Inselwechselrichters, sein Strom versorgt zuerst die Verbraucher und lädt dann den Akku. Ist der Akku voll, hebt der Inselwechselrichter die Frequenz an, und der PV-Wechselrichter reduziert seine Leistung. Das funktioniert, weil netzkonforme Wechselrichter über 50,2 Hertz ihre Leistung zurücknehmen und über 51,5 Hertz abschalten, wie oben beschrieben. Ab Werk ist diese Frequenzverschiebung bei Victron-Geräten laut Hersteller nicht aktiv; sie wird über einen Einrichtungsassistenten freigeschaltet.
Für die Auslegung nennt Victron zwei Regeln:
- Faktor-1,0-Regel. Die PV-Leistung am Ausgang darf höchstens so groß sein wie die Nennleistung des Inselwechselrichters in Voltampere. Ein Gerät mit 3.000 VA verträgt also höchstens 3.000 Watt Peak an AC-gekoppelten Modulen.
- Mindestgröße des Akkus. Für Lithium-Akkus nennt Victron etwa 4,8 kWh je 1,5 kWp AC-gekoppelter PV-Leistung. Ein zu kleiner Akku kann den Strom bei plötzlich abfallender Last nicht schnell genug aufnehmen.
Für ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt Wechselrichterleistung sind beide Regeln leicht einzuhalten. Der Haken liegt woanders: Nicht jeder Mikrowechselrichter reagiert sauber auf die Frequenzverschiebung. In den Foren der Hersteller berichten Nutzer von Mikrowechselrichtern, die am Inselwechselrichter nach Stunden abschalten oder ausfallen. Kläre vorher, ob Inselwechselrichter und Mikrowechselrichter für diese Kombination freigegeben sind. Ohne Freigabe ist die einfachere Lösung, die Module direkt an einen Solarladeregler des Inselsystems anzuschließen.
Option 4: Ersatzstrom für Stromkreise im Haus
Die aufwendigste Lösung versorgt bei einem Stromausfall ganze Stromkreise der Wohnung oder des Hauses. Dafür braucht es eine Umschalteinrichtung, die das Haus vom öffentlichen Netz trennt, bevor der Ersatzstrom einsetzt. Bei Dachanlagen bieten Hybridwechselrichter das mit Zusatzgeräten an; ein Beispiel ist die Backup Box-B1 für die Huawei-Wechselrichter der Reihe SUN2000-KTL-M1, die laut Hersteller einen einphasigen Ersatzstromkreis mit bis zu 3.300 VA versorgt.
Für den Balkon ist diese Option selten passend. Der Eingriff in die Hausinstallation hinter dem Zähler ist Arbeit an der elektrischen Anlage im Sinne von § 13 NAV und darf nur von einem Installationsunternehmen ausgeführt werden, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Als Mieter brauchst du dafür außerdem die Zustimmung des Vermieters, ohne das Privileg für Steckersolargeräte. Wer ohnehin eine Dachanlage plant, sollte Ersatzstrom dort einplanen; welche Speichergröße und Entladeleistung dafür nötig ist, erklärt der Guide zum Stromspeicher mit 10 kWh.
Was erlaubt ist und was nicht
Die Rechtslage hängt in Deutschland an einer einzigen Frage: Ist die Anlage mit dem Stromnetz verbunden oder nicht?
Daraus folgen fünf praktische Regeln:
- Reine Inselanlage: frei. Eine Powerstation oder ein Inselsystem, das nur Geräte versorgt, die direkt daran hängen, brauchst du weder zu registrieren noch beim Netzbetreiber zu melden. Die Grenzen von 800 Voltampere und 2.000 Watt Peak gelten dafür nicht, weil es kein Steckersolargerät am Netz ist. Die Bundesnetzagentur schreibt, dass solche Anlagen auch nicht registriert werden können.
- Speicher mit Notstromsteckdose: Steckersolargerät mit Speicher. Im Normalbetrieb speist das Gerät ins Hausnetz. Du registrierst es mit Speicher im Marktstammdatenregister; für den Speicher hält die Verbraucherzentrale (Stand Juli 2026) zusätzlich eine Meldung beim Netzbetreiber für nötig, einige Netzbetreiber verzichten darauf. Nach dem Leitfaden des BDEW sind Speicher nach den technischen Anschlussregeln grundsätzlich beim Netzbetreiber anzumelden. Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 deckt Geräte mit Speicher laut DKE noch nicht ab.
- Wechsel zwischen Insel und Netz: dann gelten die Netzregeln. Wer eine Inselanlage im Sommer autark betreibt und im Winter über einen Wechselrichter einspeist, betreibt ein Steckersolargerät. Die Registrierung ist dann Pflicht, und zwar innerhalb eines Monats nach der ersten Einspeisung.
- Netzumschaltung im Haus: nur durch die Elektrofachkraft. Eine Umschalteinrichtung, die Stromkreise der Wohnung auf ein Inselsystem legt, ist ein Eingriff in die Hausinstallation. Sie muss das Haus vom Netz trennen, bevor der Ersatzstrom einspeist, und gehört in die Hände eines eingetragenen Elektrofachbetriebs, der die Anlage auch beim Netzbetreiber anmeldet.
- Verboten: Rückspeisung ohne Netzschutz. Eine Powerstation oder ein Inselwechselrichter, der über ein Kabel mit zwei Steckern in eine Wandsteckdose speist, umgeht jeden Schutz. Solche Aufbauten setzen freie Steckerstifte unter Spannung, speisen bei Stromausfall ins Netz zurück und gefährden Elektriker, die am Netz arbeiten.
Für Mieter gibt es eine Unsicherheit. § 554 BGB gibt einen Anspruch auf Zustimmung zu baulichen Veränderungen, die der Stromerzeugung durch Steckersolargeräte dienen. Ob eine Inselanlage ohne Netzverbindung darunter fällt, ist nicht ausdrücklich geregelt; der Wortlaut des EEG beschreibt Steckersolargeräte als Geräte mit Stecker für den Endstromkreis. Eine Powerstation, die auf dem Balkon steht und nicht montiert wird, ist meist gar keine bauliche Veränderung. Für fest am Geländer montierte Module holst du die Zustimmung des Vermieters schriftlich ein, wie im Überblick zu den Regeln für Balkonkraftwerke beschrieben.
Wie viel Modul und Akku: Dimensionierung mit PVGIS
Eine Inselanlage wird nicht nach dem Jahresertrag geplant, sondern nach dem schwächsten Monat, in dem sie laufen soll. Der Photovoltaik-Rechner PVGIS der EU-Kommission hat dafür ein eigenes Modul für netzunabhängige Systeme. Es simuliert für jede Stunde der Jahre 2005 bis 2023, wie voll der Akku ist, und zählt die Tage, an denen er voll wird oder leer läuft.
Die folgende Tabelle zeigt Ergebnisse für Kassel als Standort in der Mitte Deutschlands. Annahmen: PVGIS 5.3 mit Strahlungsdaten SARAH3, Akku bis 20 Prozent Restladung nutzbar, also 80 Prozent der Nennkapazität, Verbrauch nach dem Standardprofil von PVGIS über den Tag verteilt, Module nach Süden.
| Tagesverbrauch | Module | Akku (Nennkapazität) | Tage mit leerem Akku im Jahr, 35 Grad | im Dezember, 35 Grad | im Dezember, senkrecht am Geländer |
|---|---|---|---|---|---|
| 300 Wh | 450 Wp | 1 kWh | rund 6 Prozent | rund 36 Prozent | rund 37 Prozent |
| 300 Wh | 900 Wp | 2 kWh | 0 Prozent | 0 Prozent | unter 1 Prozent |
| 1.000 Wh | 450 Wp | 1 kWh | rund 57 Prozent | 100 Prozent | 100 Prozent |
| 1.000 Wh | 900 Wp | 2 kWh | rund 23 Prozent | rund 82 Prozent | rund 76 Prozent |
| 1.000 Wh | 900 Wp | 5 kWh | rund 17 Prozent | rund 77 Prozent | rund 65 Prozent |
| 1.000 Wh | 1.800 Wp | 2 kWh | rund 8 Prozent | rund 42 Prozent | rund 47 Prozent |
| 1.000 Wh | 1.800 Wp | 5 kWh | rund 2 Prozent | rund 11 Prozent | rund 14 Prozent |
Drei Ergebnisse sind für die Planung wichtig:
- Der Winter bestimmt alles. 300 Wattstunden am Tag deckt ein Balkonsystem mit zwei Modulen und 2 kWh Akku das ganze Jahr. Eine Kilowattstunde am Tag, etwa ein Kühlschrank mit Router und Licht, schafft auch das Doppelte an Modulen im Dezember nicht an jedem Tag.
- Mehr Akku hilft im Winter wenig. Bei 900 Watt Peak senkt ein Akku mit 5 statt 2 kWh die leeren Dezembertage nur von 82 auf 77 Prozent. Es fehlt Energie, nicht Speicher. Mehr Module bringen deutlich mehr.
- Senkrechte Module sind im Winter kein Nachteil. Am Geländer liefern sie übers Jahr weniger, aber im Dezember steht die Sonne tief und trifft senkrechte Flächen besser. PVGIS nennt für Kassel nach Süden im Dezember rund 0,96 kWh je kWp und Tag bei senkrechter Montage, bei 35 Grad Neigung rund 0,85 kWh.
Im Sommer kehrt sich das Bild um. Bei 1.800 Watt Peak und 1 kWh Verbrauch bleiben laut PVGIS im Juni täglich rund 5,6 kWh ungenutzt, weil der Akku voll ist. Eine Inselanlage, die für den Winter ausgelegt ist, verschenkt im Sommer den größten Teil ihres möglichen Ertrags. Das ist der Preis der Netzunabhängigkeit.
Rechenbeispiel 1: Gartenhaus ohne Stromanschluss
Das folgende Beispiel ist eine Modellrechnung mit Beispielwerten, keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt.
Bedarf. Ein Gartenhaus soll LED-Licht (20 Watt, 3 Stunden), einen Router für die Gartenkamera (8 Watt, 24 Stunden) und gelegentlich einen Akkuschrauber laden. Das sind 60 Wattstunden für Licht, 192 Wattstunden für den Router und im Mittel rund 50 Wattstunden für Ladegeräte, zusammen rund 300 Wattstunden am Tag.
Ertrag im Winter. Zwei Module mit zusammen 900 Watt Peak, senkrecht nach Süden montiert, liefern in Kassel laut PVGIS im Dezember im Mittel rund 0,86 kWh am Tag (0,96 kWh je kWp mal 0,9 kWp). Das ist fast das Dreifache des Bedarfs, aber nur im Mittel; an trüben Tagen ist es deutlich weniger.
Akku. Ein Akku mit 2 kWh Nennkapazität und 80 Prozent nutzbarem Bereich hält 1,6 kWh vor. Bei 300 Wattstunden am Tag überbrückt er gut fünf Tage ohne jeden Solarertrag. Der PVGIS-Inselrechner kommt mit dieser Kombination in den Jahren 2005 bis 2023 auf praktisch keinen Tag mit leerem Akku.
Technik. Für diese Leistung reicht eine Powerstation mit 2 kWh und einem Solareingang, der beide Module verträgt, oder ein kleines Inselsystem mit MPPT-Laderegler, LiFePO4-Akku und Inselwechselrichter. Registrierung und Netzbetreiber spielen keine Rolle, solange das Gartenhaus keinen Netzanschluss hat.
Rechenbeispiel 2: Kühlschrank und Router bei Stromausfall
Stromausfälle sind in Deutschland selten und meist kurz. Wer trotzdem vorsorgen will, rechnet anders als beim Gartenhaus: Der Akku muss einen Zeitraum überbrücken, die Module sind ein Zusatz.
Bedarf. Kühlschrank mit 200 kWh Jahresverbrauch laut Energielabel, also rund 0,55 kWh am Tag. Router mit 10 Watt, rund 0,25 kWh am Tag. Licht und Handyladen zusammen rund 0,2 kWh. Summe rund 1,0 kWh am Tag. Eine Gefriertruhe mit ähnlichem Verbrauch verdoppelt den Wert.
Speicher. Ein Balkonspeicher mit 5 kWh Nennkapazität hält im Normalbetrieb oft eine Reserve vor; nimm an, dass bei einem Ausfall im Mittel die Hälfte, also 2,5 kWh, verfügbar ist. Das reicht für rund zweieinhalb Tage ohne Sonne. Mit einer Gefriertruhe sind es gut ein Tag.
Nachladen. Hängen 900 Watt Peak am DC-Eingang des Speichers und der Ausfall fällt in den Dezember, kommen laut PVGIS im Mittel rund 0,8 kWh am Tag dazu. Damit läuft der Kühlschrank im Winter fast unbegrenzt, solange keine längere Schlechtwetterphase zusammenfällt. Im Sommer ist der Speicher über Tag schnell wieder voll.
Konsequenz. Wichtiger als die Kapazität ist die Reserve: Viele Speicher lassen sich in der App so einstellen, dass ein Teil der Ladung für Notstrom reserviert bleibt. Wer Notstrom will, reserviert 20 bis 30 Prozent und nimmt dafür etwas weniger Eigenverbrauch in Kauf. Wie Kapazität und Eigenverbrauch zusammenhängen, steht im Guide zur passenden Speichergröße.
In fünf Schritten zur passenden Lösung
-
Ziel festlegen. Netzferner Ort ohne Anschluss, Vorsorge für Stromausfälle oder möglichst viel Eigenverbrauch im Alltag. Für das dritte Ziel ist ein normales Balkonkraftwerk mit Speicher besser als jede Inselanlage.
-
Verbraucher und Tagesbedarf auflisten. Leistung in Watt mal Laufzeit in Stunden ergibt Wattstunden. Bei Kühlgeräten den Jahresverbrauch vom Energielabel durch 365 teilen. Die größte gleichzeitige Leistung notieren, sie bestimmt die nötige Wechselrichterleistung.
-
Schwächsten Monat simulieren. Im netzunabhängigen Modul von PVGIS Standort, Neigung, Ausrichtung, Modulleistung, Akkugröße und Tagesverbrauch eintragen und prüfen, an wie vielen Tagen im Dezember und Januar der Akku leer läuft.
-
Gerätetyp wählen. Powerstation für mobile und kleine Anwendungen, Speicher mit Notstromsteckdose für den Balkon mit Netzanschluss, Inselwechselrichter für ein festes System mit größerem Bedarf. Bei AC-Kopplung die Freigaben beider Hersteller prüfen.
-
Rechtliches klären. Bleibt das System ohne Netzverbindung, ist nichts zu registrieren. Speist es ins Hausnetz, registrierst du es mit Speicher im Marktstammdatenregister und fragst beim Netzbetreiber nach einer Speichermeldung. Jede Umschaltung von Hausstromkreisen plant ein eingetragener Elektrofachbetrieb.
Checkliste für Datenblatt und Angebot
- Ersatzstromausgang mit Dauerleistung. Er muss getrennt vom Netzausgang sein; die Dauerleistung entscheidet, ob ein Kühlschrank mit Anlaufstrom oder eine Kaffeemaschine läuft. Spitzenwerte für wenige Sekunden sind kein Ersatz.
- Umschaltzeit. Unter 20 Millisekunden reichen für die meisten Haushaltsgeräte; bei fehlender Angabe musst du mit einem kurzen Ausfall rechnen.
- Laden der Module bei Netzausfall. Steht im Datenblatt, dass der DC-Eingang im Notstrombetrieb lädt? Ohne diese Funktion leert sich der Akku nur.
- Solareingang. Spannungsbereich, maximaler Strom und Leistung je Eingang mit den Moduldaten abgleichen, Leerlaufspannung bei Kälte mit Reserve.
- Netzrichtliniennachweis. Für den Netzausgang ein Einheitenzertifikat oder eine Konformitätserklärung nach VDE-AR-N 4105. Ein Gerät, das ins Hausnetz speist und keinen Nachweis hat, darf dort nicht betrieben werden.
- Akkuchemie und Zyklen. LiFePO4-Akkus vertragen laut Herstellerangaben mehrere tausend Zyklen und gelten als thermisch stabiler als andere Lithium-Akkus. Für unbeheizte Gartenhäuser zählt außerdem der Temperaturbereich beim Laden; viele Lithium-Akkus laden unter 0 Grad nicht oder nur gedrosselt.
- Freigabe für AC-Kopplung. Bei Inselwechselrichtern mit Mikrowechselrichter die Kompatibilitätsliste oder eine schriftliche Freigabe beider Hersteller verlangen.
Häufige Fehler und ihre Folgen
- Balkonkraftwerk als Notstrom eingeplant. Folge: Beim ersten Stromausfall bleibt alles dunkel, auch mit Akku. Lösung: Gerät mit separatem Ersatzstromausgang oder eine Powerstation einplanen.
- Powerstation mit Doppelstecker-Kabel an die Wandsteckdose. Folge: Lebensgefahr an freien Steckerstiften, Rückspeisung ins Netz, Verstoß gegen die Anschlussregeln. Lösung: Geräte direkt an die Powerstation stecken oder einen zertifizierten Wechselrichter mit Netzschutz nutzen.
- Inselanlage nach dem Jahresertrag dimensioniert. Folge: Von November bis Februar läuft der Akku regelmäßig leer. Lösung: Mit dem PVGIS-Inselrechner für den schwächsten Monat planen und lieber mehr Module als mehr Akku vorsehen.
- Mikrowechselrichter an beliebiger Powerstation. Folge: Ungeregelte Ladung, Abschaltungen oder ein beschädigtes Gerät. Lösung: Nur mit Inselwechselrichtern, die Frequenzverschiebung beherrschen, und nur mit Freigabe.
- Netzschutz per App oder Ländereinstellung umgangen. Folge: Das Gerät speist bei Netzausfall weiter, erfüllt die VDE-AR-N 4105 nicht mehr, und Versicherung und Hersteller lehnen im Schadensfall ab. Lösung: Ländereinstellung Deutschland nach VDE-AR-N 4105 beibehalten.
- Insel und Netz im Wechsel ohne Registrierung. Folge: Ein Verstoß gegen die Marktstammdatenregisterverordnung, sobald das System ein einziges Mal ins Hausnetz einspeist. Lösung: Registrieren, sobald eine Netzverbindung besteht.
- Ersatzstromkreis selbst verdrahtet. Folge: Eine Umschaltung ohne sichere Trennung kann das Netz unter Spannung setzen; zudem ein Verstoß gegen § 13 NAV. Lösung: Eingetragenen Elektrofachbetrieb beauftragen.
Inselanlage, Nulleinspeisung oder normales Balkonkraftwerk
Drei Begriffe werden oft verwechselt. Eine Inselanlage hat keine Verbindung zum Netz; sie versorgt nur, was an ihr hängt, und steht still, wenn der Akku leer ist. Eine Anlage mit Nulleinspeisung läuft parallel zum Netz, speist aber nichts ein; ihr Wechselrichter muss bei Netzausfall trotzdem abschalten. Ein normales Balkonkraftwerk speist Überschüsse unvergütet ins Netz und bezieht fehlenden Strom von dort.
| Merkmal | Inselanlage | Nulleinspeisung | Balkonkraftwerk |
|---|---|---|---|
| Netzverbindung | keine | ja | ja |
| Läuft bei Stromausfall | ja, im Rahmen des Akkus | nein | nein, außer Ersatzstromausgang |
| Registrierung in Deutschland | keine | ja | ja |
| Ungenutzter Solarstrom im Sommer | hoch, Akku voll | hoch, wird abgeregelt | fließt ins Netz |
| Typischer Zweck | Gartenhaus, Camping, Vorsorge | Netzgebiete mit Einspeiseverbot | Stromkosten senken |
Für die Stromrechnung einer Wohnung ist das normale Balkonkraftwerk fast immer die wirtschaftlichste Wahl, weil kein Solarstrom verloren geht. Warum eine Anlage mit Nulleinspeisung trotzdem am Netz hängt und welche Verluste sie hat, erklärt der Guide zur Nulleinspeisung.
Sicherheit, Akku und Lebensdauer
Ein Inselsystem hat mehr Komponenten als ein Balkonkraftwerk, und jede bringt eigene Risiken. Drei Punkte gehören zur Planung.
Akku richtig aufstellen. Hersteller geben Temperaturbereiche für Laden, Entladen und Lagerung an. Ein Akku in praller Sonne oder in einem Gartenhaus bei Frost altert schneller oder lädt gar nicht. Stell ihn trocken, schattig und auf nicht brennbarem Untergrund auf, mit Abstand zu leicht entzündlichen Materialien.
Gleichstromseite absichern. Bei Inselsystemen mit 12, 24 oder 48 Volt fließen hohe Ströme. Ein Akku mit 48 Volt liefert für 2.400 Watt rund 50 Ampere. Kabelquerschnitte, Sicherungen nah am Akku und ein Trennschalter gehören dazu; die Anleitung des Inselwechselrichters nennt die Werte.
Tiefentladung vermeiden. Lithium-Akkus schalten über ihr Batteriemanagement ab, bevor sie tiefentladen sind. Bleibt ein Inselsystem im Winter wochenlang leer, kann ein Akku trotzdem durch Selbstentladung Schaden nehmen. Wer eine Anlage über den Winter stilllegt, lädt den Akku vorher auf etwa die Hälfte und trennt die Verbraucher.
Für die Entsorgung gilt: Akkus und Powerstations gehören nicht in den Hausmüll, sondern zum Wertstoffhof oder zurück in den Handel.
Österreich und Schweiz
In Österreich gilt die gleiche Technik: Wechselrichter, die ins Hausnetz speisen, müssen bei Netzausfall abschalten. Eine Mini-PV-Anlage mit höchstens 800 Watt Engpassleistung je Netzbenutzer meldest du laut E-Control mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber, meist über dessen Online-Portal. Eine reine Inselanlage mit Powerstation, die keine Verbindung zum Netz hat, ist keine Kleinsterzeugungsanlage am Netz; eine Meldepflicht dafür haben wir nicht gefunden.
Für Speicher mit Notstromsteckdose gilt im Normalbetrieb die Mini-PV-Regel, also Meldung beim Netzbetreiber. Eine Umschaltung von Stromkreisen im Haus ist eine Änderung der elektrischen Anlage; in der Praxis führt sie ein konzessionierter Elektrotechniker aus. Verlängerungskabel und Steckdosenleisten sind beim Anschluss eines Mini-PV-Geräts laut E-Control tabu. Auf den Kauf fallen seit 1. April 2025 wieder 20 Prozent Umsatzsteuer an.
In der Schweiz dürfen steckbare Anlagen nach der Mitteilung des Starkstrominspektorats ESTI je Bezügerleitung gesamthaft höchstens 600 Watt AC-Leistung abgeben, mit Schweizer Stecker nach SEV 1011 und einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung Typ B oder einer gleichwertigen Überwachung im Wechselrichter; die Anlage meldest du vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber. Auch hier muss der Wechselrichter bei Netzausfall abschalten.
Eine Powerstation mit Solarmodul ohne Netzverbindung ist von diesen Regeln nicht erfasst; die Geräte müssen als Produkte sicher und gekennzeichnet sein. Fest installierte Inselsysteme und jede Umschaltung von Hausstromkreisen sind elektrische Installationen, die nach unserem Verständnis ein Elektroinstallateur mit Bewilligung ausführt und beim Netzbetreiber anzeigt. Kläre die Details vorab mit deinem Netzbetreiber. Auf Anlage und Montage fällt die normale Mehrwertsteuer von 8,1 Prozent an.
Nächste Schritte
Häufige Fragen
Kann ein Balkonkraftwerk im Inselbetrieb laufen?
Ein normales Balkonkraftwerk nicht. Sein Mikrowechselrichter braucht die Netzspannung als Taktgeber und muss sich nach VDE-AR-N 4105 abschalten, sobald das Netz fehlt. Inselbetrieb ist nur mit zusätzlicher Technik möglich: einer Powerstation, einem Speicher mit Notstromsteckdose oder einem Inselwechselrichter, der selbst ein kleines Netz bildet.
Warum liefert mein Balkonkraftwerk bei Stromausfall keinen Strom?
Weil der Netz- und Anlagenschutz im Wechselrichter den Ausfall erkennt und das Gerät trennt. Würde er weiter einspeisen, stünden Leitungen unter Spannung, die Monteure für abgeschaltet halten, und beim Wiederzuschalten des Netzes drohen Schäden. Das gilt auch, wenn die Sonne scheint und ein Akku voll ist.
Darf ich den Netzschutz im Wechselrichter abschalten?
Nein. Ein Gerät ohne funktionierenden Netz- und Anlagenschutz erfüllt die VDE-AR-N 4105 nicht mehr und darf nicht am Hausnetz betrieben werden. Es gefährdet Menschen, die am Netz arbeiten, und im Schadensfall stellt die Versicherung Fragen. Für Notstrom gibt es Geräte, die sich zuerst vom Netz trennen und dann eine eigene Steckdose versorgen.
Muss ich eine Inselanlage anmelden?
In Deutschland nicht, solange sie weder unmittelbar noch mittelbar mit dem Stromnetz verbunden ist; das regelt § 5 Abs. 2 der Marktstammdatenregisterverordnung. Sobald dieselbe Anlage über einen Wechselrichter ins Hausnetz einspeist, wird sie zum Steckersolargerät mit Registrierungspflicht innerhalb eines Monats.
Kann ich eine Powerstation an die Steckdose anschließen, damit sie das Haus versorgt?
Nein, nicht über ein Kabel mit zwei Steckern. Ein solcher Aufbau speist ohne Netzschutz ins Hausnetz, setzt freie Steckerstifte unter Spannung und gefährdet Elektriker am Netz. Zulässig ist nur ein Wechselrichter mit Netz- und Anlagenschutz oder eine Umschalteinrichtung, die eine Elektrofachkraft installiert.
Wie groß muss ein Akku für den Inselbetrieb sein?
Er sollte den Tagesbedarf mindestens einmal, besser zwei- bis dreimal decken, weil im Winter oft mehrere trübe Tage aufeinander folgen. Für 300 Wattstunden am Tag reichen nach dem PVGIS-Inselrechner für Kassel 900 Watt Peak und 2 kWh ganzjährig. Für 1 kWh am Tag genügen auch 1.800 Watt Peak und 5 kWh im Dezember nicht an jedem Tag.
Welcher Speicher hat eine Notstromsteckdose?
Mehrere Balkonspeicher haben laut Herstellern einen separaten Ersatzstromausgang, etwa die Anker SOLIX Solarbank 4 Pro mit 2.500 Watt oder der Marstek Venus E mit bis zu 2,5 Kilowatt. Am Ausgang hängen nur die direkt eingesteckten Geräte. Das Hausnetz bleibt bei einem Stromausfall dunkel.
Funktioniert ein Mikrowechselrichter an einer Powerstation?
Nur an Geräten, die ein stabiles Inselnetz bilden und die Leistung über die Frequenz regeln können, etwa Inselwechselrichter mit Frequenzverschiebung. An einer gewöhnlichen Powerstation ist das nicht vorgesehen; der Wechselrichter kann den Akku überladen oder das Gerät beschädigen. Lies die Freigaben des Herstellers, bevor du es versuchst.
Quellen
- EEG § 8 Abs. 5a: vereinfachter Netzanschluss für Steckersolargeräte
- EEG § 3 Nr. 43: Begriffsbestimmung Steckersolargerät
- MaStRV § 5: Registrierungspflicht und Ausnahme für nicht angeschlossene Einheiten
- Marktstammdatenregister: Welche Anlagen müssen registriert werden?
- NAV § 13: Arbeiten an der Anlage nur durch eingetragene Installateure
- BGB § 554: Steckersolargeräte als privilegierte bauliche Veränderung
- Wirksame Verfahren zur Inselnetzerkennung in 0,4-kV-Netzen, Studie im Auftrag des FNN (09.12.2015)
- DKE: Normauslegung zur DIN VDE V 0126-95 (17.12.2025)
- Leitfaden zur Umsetzung von § 8 Abs. 7 EEG und §§ 6, 19 NAV, Version 2.0 (30.10.2024)
- PVGIS 5.3: Netzgekoppelte und netzunabhängige PV-Systeme (SARAH3, 2005 bis 2023)
- AC-coupling and the Factor 1.0 rule
- Datenblatt MultiPlus-II Wechselrichter/Ladegerät 230 V
- EcoFlow DELTA 2: Datenblatt
- Anker SOLIX kündigt Solarbank 4 Pro an: 5.000 W Solarleistung, 4 MPPT (12.05.2026)
- Anker SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro, technische Daten
- Marstek: AC-Speicher mit Schuko-Anschluss und Notstrom-Funktion (21.05.2025)
- Huawei: SUN2000-3/4/5/6/8/10KTL-M1 (High Current Version), Spezifikationen
- Steckersolar: Solarstrom vom Balkon direkt in die Steckdose (Stand 24.07.2026)
- E-Control: Anschluss von Kleinsterzeugungsanlagen (Mini-PV-Anlagen)
- Steuersatz für Photovoltaikmodule
- ESTI-Mitteilung 7/2014: Plug-&-Play-Photovoltaikanlagen
- Schweizer Mehrwertsteuersätze
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